JensW
Hallo Analog-Kolleg(inn)en,
ich bin am Überlegen, mir eine 6x9-Kamera anzuschaffen und suche nach Leuten, die Erfahrung mit der Mamiya Super 23 oder der Universal haben. Die Anwendung wäre hauptsächlich Landschaft, Reise, Street, ich kann also meistens kein großes Stativ mit mir herumtragen. Ich benutze u. a. eine M645 1000s.
Ich habe im Netz einiges über die Kameras gelesen, habe aber noch folgende Fragen:
1) sind die Objektive noch konkurrenzfähig, z. B. im Vergleich zu denen der Sekor-C-Serie? Auf Abbildungen scheint mir, dass sie nicht oder kaum vergütet sind. Wie ist die Gegenlichtempfindlichkeit? Gibt es besonders empfehlenswerte unter den Objektiven?
2) wie groß und schwer ist die Kamera wirklich? also ich meine nicht in cm und kg, sondern kann man damit noch aus der Hand fotografieren oder muss ich da erst trainieren?
3) was gibt es noch für Alternativen bei 6x9, wenn es scharf, handlich und nicht allzu teuer sein soll? Mir fällt die Fuji GSW690 ein, es gibt wohl eine Fotoman (habe ich aber noch nie im Verkauf gesehen), die alten Zieharmonikas natürlich (haben aber wohl selten ein Weitwinkel), die teure Plaubel 690 Proshift, die Fujica GL 690 (wird als nur mäßig scharf besprochen) und die Horseman VH-R (bin mir auch nicht sicher, wie handlich die ist). Hat jemand hier noch einen Tip/Erfahrungen?
Danke für eure Beiträge, bin gespannt -
beste Grüße,
Jens
Wolfgg
Hallo Jens,
die Universal kann man klar aus der Hand einsetzen, linke Hand am Handgriff mit Auslöser, rechte unter der Kamera, die Finger am Objektiv. Ich kenn jetzt nur die ab 1980 verkauften Objektive für die Universal, die sind astrein, voll vergütet und bis heute absolut konkurrenzfähig. Im Gegenlicht nicht schlechter als die der M645. Besonders herausheben oder kritisieren kann man da keines, weil jede Brennweite ihre Berechtigung hat.
Gruß Wolfgang
cfb_de
Hallo Jens,
darf ich als Benutzer einer Polaroid-600 mitreden? Das ist im Prinzip diese Mamiya mit Festbrennweite.
Die Knips ist ein schwerer Prügel, deshalb "freihandtauglich". Das 127mm-Sekor taugt sehr gut (die Geli ist fest dran und wichtig), der Sucher nicht so doll: Wenig Kontrast im E-Messer, keine anständige Einblendung irgendwelcher 6x7- oder 6x9-Masken.
Mit dem 6x7-Rollfilmmagazin dahinter ist es eine hübsche und sehr gute Portraitknips.
Auf einem niedrigen Stativ taugt sie auch gut zur Verkehrsberuhigung <_<
Beste Grüße,
Franz
Wolfgg
Ja Franz, das stimmt, man kann damit allerhand "Begleiterscheinungen" verursachen: jeder Gasfuß sieht das Ding zum ersten Mal, Kinder fragen, ob man für eine Zeitung arbeitet, zufällig durchs Bildfeld laufende Omis winken gleich ab, weil sie nicht in die Zeitung wollen usw.
Man kann mit dem Ding aber auch unauffällig arbeiten, z.B. mit dem 50mm Superweitwinkel durch die Fußgängerzone gehen, Kamera vor dem Bauch und direkt am Objektiv auslösen, merkt niemand.
Der Sucher hat seine Vor- und Nachteile, die Kamera ist halt eine "aufgebohrte Leica M". Jedenfalls kann man wegen der großen Messbasis des Entfernungsmessers die Objektive problemlos bei voller Öffnung nutzen (Ausnahme 1:8/250), er arbeitet viel genauer (empfindlicher) als jede Mattscheibe.
Der Sucher zeigt für 100mm, 150mm und 250mm für 6x9 und 6x7 Suchermasken mit automatischem Parallaxausgleich, einzeln durch Schieber am Gehäuse anwählbar.
Gruß Wolfgang
cfb_de
Hallo Wolfgang,
die Suchermasken hat meine "Polaroid" nicht. Für meine 6x7-Magazine habe ich mich mittlerweile dran gewöhnt, ein 6x9-Magazin suche ich noch (die waren mir bisher zu teuer).
Beste Grüße,
Franz
Wolfgg
Hallo Franz,
den Hebel auf der Rückseite links oben hat Deine 600 SE nicht?
http://www.polapremium.com/news?date=2009-05-21
Grüße, Wolfgang
cfb_de
Hallo Wolfgang,
ich habe die 600 ohne "SE" und die hat diesen Hebel nicht.
Beste Grüße,
Franz
Wolfgg
Hallo Franz,
da hast aber einige "Einschränkungen" gekauft. Soweit ich weiß passen die Objektive der 600er nicht mal an die Universal.
Also: wer in das System einsteigen will sollte sich um eine Universal bemühen, keine 600er (mit oder ohne SE).
Grüße Wolfgang
cfb_de
Hallo Wolfgang,
dessen war ich mir durchaus bewusst. Die wohl größte Einschränkung der 600 ohne "SE" ist die, dass das Objektiv gar nicht erst abgeht...
Ich wollte halt eine Pola- und Rollfilm-Knips mit Messucher. Und da ist das Teil ideal, war dank Rudis Entgegenkommen auch nicht zu teuer. Das 127er vorn drauf ist einfach saugut!
Beste Grüße,
Franz
JensW
Hallo,
vielen Dank für eure Antworten.
Kennt jemand auch die Super 23? Die hat sogar ein verstellbares Rückteil; da sie aber vorne ja keinen Balgen hat, kann man das eigentlich nur für Nah- bzw. Makroaufnahmen nutzen, oder verstehe ich das falsch?
Gruß Jens
Wolfgg
Hallo Jens,
zumindest das Normalobjektiv 3,5/100 lässt sich 10mm zurücksetzen, da kommst auch bei ausgezogenem Balken noch auf unendlich. Hier kannst Dir übrigens ein Manual laden:
http://www.butkus.org/chinon/mamiya/mamiya...ss_super_23.htm
Grüße Wolfgang
Buchtnix
Hallo,
ist die Polaroid 600 SE identisch mit der Mamiya Universal, bzw. kann man die Rückteile, Pola und Rollfilm, untereinander austauschen?
Danke,
Grüße
Steffen
Wolfgg
mattes
Die Polaroid 600SE ist baugleich aber leider nicht identisch mit der Mamiya Universal. Der Objektivanschluss und Rückwandbefestigung sind anders. Der Sucher ist auf das etwas größere Polariodformat ausgerichtet. Die neueren "schwarzen" Objektive sind sehr gut, ob die älteren schlechter sind kann ich nicht beurteilen. Bei mir machen sie genau das was sie sollen: gute Bilder. Ein 90er hatte ich mal auf eine Graflexplatine montiert und war über den Bildkreis der für 9x12 ausreicht überrascht.
Genial sind die S-förmigen M-Rückteile. Sie haben eine 1A Planlage. Die Frage der "FreiHandlichTauglichkeit": Das Gehäuse ist rechteckig ohne Vorsprünge und Verschnörkelungen, es passt mit Magazin und Objektiv in kleine Fototaschen. Leider ist die Kamera zusammengebaut ein richtiger Trumm, laut meiner Frau Saurierklasse. Sie ist schwerer als eine Graflex Spezial. Ein gewisses Gewicht braucht eine Kamera um mit ihr aus freier Hand fotografieren zu können, bei der Mamiya Universal ist dieses für etwas zartere Menschen schon überschritten. Ich selber nutze sie meist mit Einbeinstativ. Sie ist in der Handlichkeit mit einer 4,5x6 SLR nicht zu vergleichen. Ehrlicherweise gesagt ist sie eingeschränkt freihandtauglich.
Die Universal ist sicher nicht die schönste Kamera, super solide und erstklassig verarbeitet. Es gibt neben dem 3,5/100er Standardobjektiv eine ganze Reihe interessanter Objektive für die Universal, da wäre zum das 100/2,8, das berühmte teure 50/6,3 und das 4,7/127 Sekor, es gibt Zwischringe, einen Graflockadapter, zwei Mattscheiben, davon eine mit Planfilmmagazinaufnahme, Planfilmmagazine und vieles mehr. Die Universal wird auch gerne als Basis für alle möglichen Sonderkonstruktionen genommen. Für einen Freund habe ich mal den 3" Objektivkopf einer Polaroid Cu5 an ein altes Pressgehäuse gebaut.
Die Universal ist eine tolle, lohnenswerte und unterschätzte Kamera.
Mattes