UlfSpuhl
Hallo miteinander,
habe mich hier angemeldet auf Grund des sehr guten Threads über die Kiev und würde gern in den Austausch treten.
Nach dem Verwenden verschiedener Kleinbildkameras wie SLR und DSLR hat nun die s/w Fotografie mit Mittelformat einen Schwerpunkt gefunden.
Arbeite selbstständig im Bereich Grafik/Design und Kunst, Fotografie ist zur Zeit ein Hauptaugenmerk.
Da ich nicht der Ansicht bin, dass der Preis des Equipments allein für die Qualität der Bilder sorgt, sondern die Begabung im Sehen und die Abenteuerlust größt, habe ich mich für eine günstige Kiev 88 entschieden im Gegensatz zur original schwedischen Hasselblad.
Nach den vielen Unkenrufen im Netz, die ich alle ignoriert habe, ging die erste Belichtung des Filmes schief.
Außer bei vier Bildern sind alle anderen Negative weißgeblieben, das heißt nicht belichtet. Hatte zunächst den Verschluss in Verdacht, jedoch es stellte sich raus, dass der Belichtungsmesser im Prismensucher so ungenau ist, dass fast alle Bilder unterbelichtet wurden.
Der zweite Film, aufgenommen am Ministudio mit Dauerlicht, die Belichtung mit der DSLR gemessen und übertragen, brachte eine durchgehende gute Belichtung mit selektiver Schärfe. Keine Verschlusspanne, kein Transportproblem des Films, kurz und gut, die Kiev 88 ist technisch absolut in Ordnung so weit, außer der Belichtungsmesser, da ist ein externer Handbelichtungsmesser notwendig und sie ist für die Aufnahme von fotografischen Bildern, besonders im kreativ/künstlerischen Bereich, hervorragend geeignet.
Sobald das Wetter es zulässt, zur Zeit regnet es in Strömen, kommt die Kiev 88 für Außenaufnahmen zum Einsatz.
Bisher sehe ich die Entwicklung mit dieser Kamera von den vielen kritisch negativen Äußerungen ausgehend bis hin zu meinen eigenen jüngst gemachten Erfahrungen bis dahin, als einen Erfolg an.
Wer hat noch Erfahrungen mit s/w Fotografie oder Mittelformat?
Grußfluuu
cfb_de
Hallo "fluuu",
damit einige nicht doppelt schreiben müssen oder Du Dich gar über nur wenige Antworten hier gefrustet zurückziehst: Das
hier in Baiers Forum wurde Dir ja schon geantwortet.
Und irgendwie hat es ja auch etwas gebracht, denn Du bist ja zufrieden:
Schreibst Du in Baiers Forum
Bitte präisiere Deine Fragen etwas mehr. Sehr viele Kiev-Besitzer lesen mehr als nur ein Forum.
Beste Grüße,
Franz
UlfSpuhl
Hallo,
auf Baiers Forum zu verweisen halte ich für hier nicht sehr einladend.
Hier gibt es weiter unten einen sehr interessanten langen Thread zur Kiev 88
und vielleicht sind die Leute noch im Forum aktiv und wir können in den
Austausch treten.
Was in anderen Foren geschrieben wird oder nicht geschrieben wird spielt
doch keine Rolle, es geht hier um Kommunikation und weniger um techn. Detailfragen.
Das Baiers Forum halte ich für ein reines Technikforum, für Fragen falls etwas nicht
funktioniert.
Die analoge s/w Mittelformatfotografie mit der Kiev 88 ist viel mehr als nur den Apparat
zum Funktionieren zu bringen, es ist das kreativ/künstlerische Aufnehmen von fotografischen
Bildern mit Form und Inhalt...
grußfluuu
SamuliSchielke
Meine Erfahrung: Eine Kiev 88 kann sehr gut sein, wenn man das >Glück hat, ein mängelfreies Exemplar in die Hände zu kommen. Mit meinem Kiev bin ich inzwischen eher unzufrieden - die Mechanik ist zu unpräzise, ich habe Fokussierprobleme, die ich einfach nicht gelöst bekomme, und langsam erwäge ich das Ding zu verkaufen. Was nicht heißt, dass Kiev insgesamt schlecht wäre, aber das Apparat, das ich habe, hat mir selbst zu viel Frustration verursacht.
Grüße
Samuli
UlfSpuhl
Hallo Samuli Schielke,
meinst Du nicht die Mängel der Kiev 88 lassen sich beheben? Als ich mich zum Kauf entschlossen hatte, war mir klar, bei all den Kommentaren, dass sie eventuell Probleme macht und habe mir vorgenommen, diese Probleme zu lösen. Beim ersten Film wurden außer vier alle Bilder unterbelichtet, das Negativ war weiß. Hatte zunächst den Verschluss in Verdacht, aber dann stellte sich raus, der TTL Belichtungsmesser im Prismensucher, den ich verwendet hatte, ist ungenau.
Der zweite Film, habe zum Messen einen externen Belichtungsmesser verwendet, war durchweg gut belichtet mit selektiver Schärfe und ohne Filmtransportprobleme. Somit habe ich anscheinend eine original Kiev 88 erwischt, sogar mit kyrillischen Buchstaben, die so gut eingearbeitet ist, dass beim Aufnehmen von fotografischen Bildern nichts Technisches zu Bemängeln ist und wenn etwas auftaucht, dann werde ich mich kümmern. Halte im Mittelformat gerade die Kiev 88 für das größte Abenteuer bei der Aufnahme, vielleicht sind die negativ kritischen Kommentare, die so oft zu lesen sind, nicht ganz unwesentlich dabei.
grußfluuu
SamuliSchielke
Hallo,
Die meisten Mängel lassen sich beheben, wenn man technisch versiert ist. Aber am besten hat man eben Glück - wie du wohl hast - und bekommt ein gutes Exemplar. Und die Objektive sind toll, was Tonalität betrifft. das 65er Objektiv an meiner Kiev ist alleine schon Grund genug, dass ich so lange mit Kiev fotografiert habe.
An sich kann Kiev eine feine Kamera sein, aber mit meinem Exemplar merke ich, dass ich nicht genug Vertrauen in meine Kamera habe und dann auch weniger gute Fotos mache. Deswegen werde ich nach Weihnachten, falls ich dann noch Geld habe, mich auf die Suche nach dem schwedischen Original machen.
Grüße
Samuli
Schwedenstahl
Nun den Weg des schwedischen "Originals" bin ich auch gegangen. Nur um bei einem Neuling Verwechslungen vorzubeugen die 500er Serie von Hasselblad ist nur optisch der Kiev88 ähnlich, Technisch steckt da was ganz anderes drin. Auch bei einer gebrauchten Hasselblad gibt es Risiken ich habe da erst nach der 2. Glück gehabt und musste meine erste schweren Herzens als defekt verkaufen. Die Dichtungsprobleme kommen auch bei den Hblad Magazinen vor. Das Problem ist das gleiche wie bei der Kiev88. Von den 2000ern kann man nur abraten da die Ersatzteile nicht mehr produziert werden. Objektive sowie Magazine sind dann auch noch ein nicht unerheblicher Kostenfaktor. Auf der anderen Seite bekommt man bei der 500 Serie ein haptisches wie auch funktionelles Meisterstück. Im direkten Vergleich kann ich aber sagen das man es den Aufnahmen nicht ansieht. Ich habe das getestet und mit gleicher oder ähnlicher Brennweite Vergleichsaufnahmen gemacht und diese fotografisch unbedarften vorgelegt, man selber bildet sich da ja schnell was ein. Wenn es nicht um extreme Gegenlichtsituationen geht kann die Kiev mit ihren Objektiven durchaus mithalten. Nebenbei Gegenlicht, schaut euch mal die Preise für einen Filter und eine Gegenlichtblende bei Hasselblad an. Da gibt es schon das ein oder andere Objektiv für die Kiev und auch einen Service bei Wiese dafür. Und ein 30er sollte bei der Hblad den finanziellen Rahmen sprengen. Leider löst sich das 30er auch nicht an die 500er Serie anpassen sondern nur an die 2000er. Ich selber habe außer einigen Exoten die gesamte offizielle Kiev Objektivpalette, das ist bei Hasselblad auch gebraucht ein gewaltiger finanzieller Aufwand. Ich lasse mal die Diskussion weg das die Carl Zeiss und Schneider Optiken über jeden Zweifel erhaben sind aber unter normalen Bedingungen bieten die Kiev Optiken doch einen gewaltigen kreativen Spielraum. Ich selber hatte mit meinen beiden absolutes Glück seit 1991 habe ich außer Dichtungswechsel gegen Hblad Dichtungen noch keine Probleme mit den Kameras gehabt und die beiden waren schon mehrmals im hohen Norden wie auch in unterschiedlichen Wüsten. Man sollte aber bei den Kievs einige Grundregeln beachten und sich die sorgfältige Arbeitsweise angewöhnen. Wenn man mit dem nötigen Feingefühl den Verschluss spannt und auch nur im gespannten Zustand die Zeiten verstellt, die Objektive ohne Gewalt und ohne diese zu verkanten ins Steckbajonett steckt, hat man schon das wichtigste beachtet.
Man liest wie gesagt viel über die 88er, meine Erfahrung zeigt aber in der Vergangenheit das viele der "vermeintlichen" Fachleute selber nie eine besessen haben und erstaunlicherweise aus anderen Foren oder Fachzeitschriften zitieren. Das ist eine Seite der Medaille, jeder der eine Kiev erwirbt kommt mit diesem Hintergrundwissen an die Kamera. Man hat von vorneherein ein schlechtes Gefühl und wenn sie dann nach 4-5 Jahren einen Defekt hat wars ja klar, Kievs sind Schrott. Alle haben einen ja gewarnt. Zum anderen handelt es sich bei dem Bedienkonzept der Kiev um etwas was von vorneherein nicht für den Massenanwender bestimmt war, das gilt auch für die Hasselblad und alle Kameras des gleichen Konzepts. Wer sich mit der Technik nicht intensiv auseinander setzt wird von vorneherein schlechte Aufnahmen bekommen und im schlimmsten Fall das Gerät beschädigen.
Meine Freundin war sehr von der Kamera angetan und ich habe Ihr auch eine Ausrüstung zusammengestellt. Man muss dazu sagen das sie bis zu diesem Zeitpunkt ehr nur mit Automatik Compact Kameras Fotografiert hat. Mir ist zu diesem Zeitpunkt klar geworden welche Fehlerquellen es gibt wenn man diese Geräte intuitiv bedient. Hinzu kommt noch das viele Kievs aus ehr fragwürdigen Quellen stammen und von vorneherein fehlerhaft sind. Das schwedische "Original" ist zum einen hochwertiger gefertigt hat aber auch von Beginn an immer in kundigen Händen Ihren Dienst getan, da sich Tante Käthe er selten mal für nebenbei Knipsen eine Hblad gekauft hat, zudem wechseln Profis auch bei der Hblad die Magazindichtungen jährlich und geben Ihre Kameras sehr oft in Inspektion.
Welchen Prismensucher hast Du? Noch den alten mit dem Drehschalter oder bereits den mit dem roten Knopf zur Aktivierung des Messsystems? Möglicherweise könnte die Batteriespannung nicht stimmen da der alte noch auf Quecksilberzellen angewiesen ist. Sollte es der neue sein, löst dieser sich recht leicht kalibrieren.
So lange Rede kurzer Sinn, ich denke die Kiev ist es wert ausprobiert zu werden.
Gruss
Marwan
UlfSpuhl
Hallo,
das ist ja ein sehr aufschlussreicher Text und wunderbar zu Lesen.
Mal jemand der auf ganz realistische Weise Hasselblad mit Kiev vergleichen kann
und dabei auf Vor- und Nachteile kommt sowohl als auch.
Natürlich fügt das Argument mit der zu investierenden Summe an. Ein Body der 500er Serie
kostet zwar nicht viel mehr als eine modifizierte Kiev aber die Einzelteile sind enorm teuer.
Habe eine Möglichkeit bei einem Fotografenmeister eine alte Hasselblad zu erstehen,
da gilt es noch zu verhandeln und ich muss schauen ob ich sie wirklich brauche.
Nach dem letzten Film funktioniert die Kiev 88 einwandfrei, nur der Belichtungsmesser spinnt.
Habe noch den alten TTL Prismensucher, einen Adapter für die Batterien besorgt und mit
drei 1,5 V Knopfzellen bestückt. Haut nicht hin, der Belichtungsmesser zeigt Licht an wo keins ist.
Dass es auf die Behandlung und den Gebrauch der Kiev 88 ankommt habe ich gelesen,
immer erst aufziehen und dann alle Einstellungen und Veränderungen vornehmen.
Die Kamera ist mit Handwerk zu bedienen, das ist Arbeit, nicht mit Sonntag-Nachmittag-Laune,
das habe ich festgestellt.
Somit ist sie nicht zum Schnappschüsse knipsen wie es grad kommt, halt so zum Spaß sondern
für langwierig vorbereitete fotografische Aufnahmen, vielleicht ein bisschen wie unsere Vorfahren.
Bin schon etwas ungeduldig, habe zwei Filme per Ministudio aufgenommen, mehr für Testzwecke,
der Erste war nix aber der Zweite war rein technisch ein Erfolg.
Die inhaltsreichen Bilder sollen natürlich draußen im Gelände aufgenommen werden aber das Wetter
ist durchgehend so schlecht und ich gehe mit einer Kamera zum Jungfernausflug nur bei optimalen
Lichtverhältnissen, da hat es im Moment keinen Zweck.
Voller Hoffnung auf gutes Wetter warten ist noch kein Misserfolg, alles ist offen...
grußfluuu
cfb_de
Somit ist sie nicht zum Schnappschüsse knipsen wie es grad kommt, halt so zum Spaß sondern
für langwierig vorbereitete fotografische Aufnahmen, vielleicht ein bisschen wie unsere Vorfahren.
Ich kann zwar keine Kiev-88 gegen eine Hasselblad vergleichen, ich habe nur auf Arbeit eine 501 und zuhause eine Kiev-60.
Aber: Auch die zwei Knipsen, die K-60 noch eher, taugen nur, ausschließlich und mit Erfahrung für *geplante* Aufnahmen. Schnappschüsse von den lieben Kleinen sind mit der Rasselkrach ein ärzendes Unterfangen.
Beste Grüße,
Franz
Schwedenstahl
Hallo bezüglich der Batterie!!!
Ich glaube da liegt das Problem. Du schreibst Du hast den alten Prismensucher. Ich vermute mal das 3 Leuchtdioden vorhanden sind zwei rote rechts und links von einer mittig angeordneten grünen.
Wenn Du die Seriennummer des Prismensuchers überprüfst, geben die beiden ersten Ziffern das Fertigungsjahr wieder. Sollte die Fertigung vor 92 sein bin ich mir sicher das Du 4 PX 625 benötigst die seinerzeit eine Spannung von jeweils 1,35 Volt hatten. Macht dann eine Gesamtspannung 5,4 Volt. In der Gebrauchsanleitung des Importeurs von damals waren sogar 6V angegeben. Im Schaltplan der Kiev wird 4 Mal 1,2 Volt angegeben als Mindestspannung. Mit drei 1,5V bist Du sicher zu niedrig. Leider werden die 1,35V Quecksilberzellen nicht mehr verkauft. Überspannung führt bei Leuchtdioden zu einer Verringerung der Lebensdauer, wobei die Überspannung in diesem Fall nicht sehr hoch ist. Mein Tipp nimm 4 Silber Zellen mit je 1,5V, wickel etwas Isolationsmaterial drum und überbrück die Höhenunterschiede mit nem kleinen Kügelchen aus Alufolie oder ähnlichem. Das sollte für einen Test reichen.
Die 3 von dir erwähnten 1,5V Zellen gehören in die neueren Sucher.
Du wirst aber schnell feststellen das man mit einem externen Belichtungsmesser und dem Lichtschacht mit der Kiev erheblich besser arbeiten kann. Der Vorteil des Lichtschacht ist das man ein unverfälschtes Bild bekommt. Durch die menschliche Sehgewohnheit gaukelt einem das Gehirn beim Blick in den Prismensucher eine ganz andere Tiefe des Bildes vor die von dem späteren zweidimensionalen Bild sehr abweicht. Beim Schachtsucher hat man genau die Zweidimensionalität die man benötigt um das Bild zu kreieren.
Besorg dir einen Lunasix F von Gossen oder einen anderen hochwertigen Belichtungsmesser, dort hast Du zudem noch die Möglichkeit Licht und Objektmessung vorzunehmen und je nach Modell auch Blitzlicht zu messen.
Der Prismensucher ist dann schnell kein Thema mehr. Möchtest Du verstärkt Schnappschuss machen, auch das geht. Ein geeignetes Objektiv ist das 65er. In Kombination mit einem Prismensucher und dem Pistolengriff oder einem Stabblitz, kann man mit etwas Übung sehr flott arbeiten.
Gruss
Marwan
UlfSpuhl
@ cfb_de, das ist doch klar, dass man mit der Mittelformat keine Schnappschüsse von den lieben kleinen Macht,
dachte wir Reden hier vom fotografischen Aufnehmen von Bildern mit bewusster Motivsuche und nicht von Familienfotos. Mache so gut wie nie Schnappschüsse, egal mit welcher Kamera.
@Marwan, Du schreibst sehr interessant über die Kiev 88, jetzt wird mir einiges klarer, vor allem warum bei drei 1,5 Volt Batterien die mittlere grüne Diode immer blinkt obwohl die Batterien voll sind, laut Anleitung heißt das, die Batterien sind leer bzw. wie Du jetzt meinst 4,5 Volt ist zu wenig Betriebsspannung. Original gab es wohl mal eine 5 V Batterie die genau in den Schacht passte.
Der Prismensucher hat bei der Seriennummer eine 89 vorne, also aus dem Wendejahr, die alte Baureihe.
Werde es mit vier 1,5 V Knopfzellen versuchen, das könnte die Lösung sein.
Natürlich gibt es inzwischen einen externen Handbelichtungsmesser, einen Lunasix 3, ein Ausrangierter vom Fotografenmeister. Nur war das Wetter bisher nicht geeignet um Außenaufnahmen zu machen, es ist geplant und auch das Gelände dafür ausgeguckt.
grußfluuu
Schwedenstahl
Ok, ist immer gut wenn man ein Problem einkreisen kann. Es werden sicher Unterschiede zwischen dem Werten des Gossen (Achtung auch der braucht 1,35 Quecksilber Zellen, unbedingt Adapter verwenden) und des Kiev Prismensuchers sein, das hat aber mit dem Messfeld zu tun. Es ist auch so das man ein wenig mit der Skala spielen muss, denn die 20DIN Einstellung muss nicht Zwangsläufig an der richtigen Stelle sein, so dass man da ein wenig mit Erfahrung den Wert ein wenig nach oben oder unten korrigieren kann. Vorsicht mit dem AN/AUS Schalter man vergisst den schnell und der Beli saugt die Batterien schneller leer als man schauen kann. Und unbedingt darauf achten die Anfangsöffnung der entsprechenden Objektive nach dem Wechsel einzustellen, das vergisst man gerne. Sollte das alles nicht helfen muss man halt neu kalibrieren, geht aber auch recht einfach mit ein wenig handwerklichem Geschick.
Noch ein Tipp, man sollte immer einen kleinen Uhrenmacherschraubenzieher dabei haben und die sichtbaren Schrauben kontrollieren, sowohl an der Kamera als auch an den Magazinen wie auch die Madenschrauben an den Objektiven. Letztere lösen sich gerne mal auf Reisen und die Einstellringe lösen sich dann und die Schrauben können herausfallen. Normalerweise sind die Schrauben mit einem Sicherungslack gesichert. Bei Deiner älteren Kiev würde ich das mal überprüfen und gegebenenfalls mit etwas (ICH SAGTE ETWAS!!! und meine sehr wenig!!!) klarem Nagellack die Schrauben sichern.
Noch ein weiterer Tipp zu den Magazinen. Wenn kein Film im Magazin ist den Schieber nicht drin lassen, das gilt auch für die Hblad. Die Dichtungen sind aus Schaumgummi und sind natürlich dann platt gedrückt und benötigen einige Zeit um wieder in Ihre alte Form zu kommen. Daher bei Magazinen die mit Film gelagert werden und mit eingeführter Dichtung aufbewahrt wurden, einige Zeit warten bis sie sich ausreichend entfaltet haben bevor man wieder in die pralle Sonne geht.
Wenn mal ein Magazin undicht ist kannst Du Dir Dichtungen bei Hasselblad bestellen, das Wechseln ist sehr einfach. Die Dichtung ist nahezu identisch von der Form, wobei die Hblad Dichtungen um ein Vielfaches besser vom verwendeten Material sind.
Ein weit verbreiteter Fehler ist beim Einführen der Magazinschieber diese mittig mit einer Schieberspitze zuerst einzuführen. Dies führt ungünstigerweise auch zu Lichteinfall (nicht nur bei der Kiev), da mittig die Dichtung eingedrückt wird und an den Rädern dann Licht eindringt, manchmal kann man durch Spiegelungen des silbernen Schiebers den Einführverlauf sogar auf dem Negativ oder Dia sehen. Den Schieber korrekt ansetzen und auch wenn es fummelig ist in ganzer Länge gleichmäßig einführen.
Rollfilme auch wirklich nur im Körperschatten einlegen und aus dem Magazin entnehmen und anschließend sofort in einem dunklen Behälter verschwinden lassen, auch das Hinfallen kann an den Rädern zu Lichteinfall führen und man ist bei der Kiev schnell dabei die Kamera als älter zu verdächtigen.
Ja dann wünsche ich Dir mal viel Spaß mit der Ukrainerin!
Gruss
Marwan
UlfSpuhl
Danke für die Wünsche.
Wie gesagt, der zweite Testfilm fiel technisch absolut zur Zufriedenheit aus.
Da es im November immer geregnet oder geschneit hat und es jetzt im Dezember mächtig kalt ist, kommt es nicht zu Außenaufnahmen im Gelände und richte deshalb das Ministudio ein mit Dauerlicht und Diffusor, um Filme belichten zu können mit entsprechenden künstlerischen Themen und Motiven.
Habe inzwischen den Arbeitstitel dafür hergeleitet: "Babotschka - Abgründe überbrücken". Ist das russische Wort für Schmetterling=Psyche=Seele, also 'seelische Abgründe' etwas lyrisch umschrieben.
Der Belichtungsmesser im Prismensucher funktioniert nun mit vier Knopfzellen, die grüne Lampe blinkt nicht mehr, aber der Messer muss unbedingt neu justiert werden, er zeigt zu viel Licht an. Habe mit mehreren Belichtungsmessern gemessen und bin nie auf so kurze Belichtungszeiten bzw. Blenden gekommen. Da gilt es noch zu tüfteln.
Mit der Entscheidung, nicht auf schönes Wetter zu warten, sondern Aufnahmen mit Hilfe des Ministudios zu machen, wird es bald wieder einen belichteten Film geben. Wie im anderen Thread beschrieben, macht mir noch die Rondinax 60 Kummer, um die Filme dann auch entwickeln zu können.
Hier ein Bild vom ersten Film der Kiev 88:
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grußfluuu
robat
Hallo, schön zu sehen dass hier noch einige andere mit der Kiev 88 unterwegs sind. Ich habe meine 2004 bei ebay erstanden und mir seitdem einiges an anderen Objektiven etc. hinzugekauft. Ich mag meine Kiev und sie hat mich bisher noch nie im Stich gelassen, auch nicht unter extremen Witterungsbedingungen.
Das Messprisma habe ich relativ schnell gegen den Klappsucher (auch gerne WLF = Waist Level Finder genannt) ausgetauscht, da das Prisma von den Messergebnissen zu oft sehr daneben lag und die Kiev 88 mit WLF einfach handlicher ist. Ein externer Belichtungsmesser (am besten mit Spotfunktion) ist finde ich unerlässlich...
fluuu, bin gespannt auf weitere Bilder von dir !
UlfSpuhl
Hallo,
ja die Kiev 88 ist eine treue Kamera die einen durch Dick und Dünn begleitet und nicht den eigenwilligen Charme verliert. Allein ihre Anwesenheit auf dem Stativ am Ministudio hat eine positive Ausstrahlung.
Der zuletzt belichtete Film ist gerade in der Entwicklung, eine Serie über das Thema seelische Abgründe oder wie der Titel verfremdet heißt " Babotschka-Abgründe to bridge".
Das russische Wort passend zur Kiev 88 heißt Schmetterling-Psyche-Seele und das englische Wort zur Globalisierung überbrücken, also 'seelische Abgründe überbrücken'. Ein sehr spannendes Thema für die mittelformat s/w Fotografie dicht an menschlichen Zuständen.
Wenn diese Bilder, falls sie gelungen sind, in einer Ausstellung veröffentlicht werden halte ich es für einen wichtigen Beitrag innerhalb der Gemeinschaft sich mit den menschlichen Widrigkeiten auseinander zu setzen.
Gerade dafür ist die Kiev 88 wie geschaffen wird sie doch sehr viel belächelt, erniedrigt und verspottet...
grußfluuu
SamuliSchielke
Somit ist sie nicht zum Schnappschüsse knipsen wie es grad kommt, halt so zum Spaß sondern
für langwierig vorbereitete fotografische Aufnahmen, vielleicht ein bisschen wie unsere Vorfahren.
Das sehe ich ein bisschen anders. Eine Mittelformatkamera ist freilich nicht für Schnappschüsse der schnellsten Art gedacht, aber ich benutze meine ständig "im Feld" unterwegs, für Portraits und Dokumentaraufnahmen. Ich mache damit also nicht nur unter optimalen Lichtverhältnissen sorgfältig und in Ruhe komponierte Bilder. Dafür habe ich eine Großformatkamera. Aber gerade mit Portraits und Dokumentaraufnahmen muss ich Vertrauen in die Kamera haben. Meine Selige Flexaret 2a (Baujahr 1947), die ich leider verloren habe, war eine extrem primitive Kamera aber trotzdem unübertrefflich, weil auch extrem robust. Auf Kiev bin ich umgestiegen, um mehr Brennweiten und Wechselmagazine zu haben, und auf die würde ich ungerne verzichten. Die Tücken der Bedienung und andere bekannte "Probleme" von Kiev stören mich da eigentlich wenig - genauso wenig ist es ein Problem, dass es ein paar Sekunden länger dauert die Kamera einzustellen. Ich belichte eh fast immer Manuell (oder wenn keine Zeit ist, nach Augenmaß) und nehme mir ein bisschen Zeit fürs Bild.
Mein konkretes Problem ist, dass nach zwei Reparaturversuchen der Fokus immer noch daneben ist, und dabei noch bei verschiedenen Objektiven anders daneben. Ich hatte letzten Herbst die Kamera mit auf Feldforschung in Ägypten und habe ein paar gute Fotos gemacht, aber allesamt nur eher statische Bilder, weil ich kein Vertrauen in den Fokus hatte und deswegen jedes Bild zwei- bis dreimal mit verschiedener Fokuseinstellung gemacht habe. Erschwerend hinzu kommt, dass ich gerne mit offener Blende aufnehme. Ergebnis: Ich habe weniger gute Bilder gemacht. Ob Hasselblad die Lösung ist, bin ich nicht sicher. Ich habe das 65er MIR-Objektiv so lieb gewonnen, dass ich eher vielleicht ein neues Kiev-Body kaufe - auf jeden Fall bleibt die Kiev bei mir bis auf weiteres im Schrank liegen, was schade ist.
frohes Neues,
Samuli
cfb_de
Hallo Samuli,
was für ein Bajonett hat Deine -88? P-Six? Falls ja, überlege Dir eine Kiev-60.
Die ist robuster und notfalls getreu der alten Lada-Devise feldinstandsetzbar: "Mit Hammer, Zange, Draht kommst Du bis nach Leningrad."
Ansonsten: Kauf eine anständige -88 und lass mal Deine Objektive hinsichtlich Auflagemaßvereinheitlichen. In einem anderen Forum würde jetzt ein Wolf-Rainer ganz laut nach einer "Wiese" brüllen.
IMHO ist das 65er die schönste Scherbe, die die Sowjets zustandegekriegt haben. Bei mir taugte allerdings erst das zweite, das erste war dermaßen fehlgeschliffen, dass es gleichmäßig nirgendwo scharf war.
Für 75/80mm halte ich allerdings meine Flexen/Cords für besser geeignet. Da habe ich ein 75er-Triotar für Portraits, ein 75er-Tessar für knackige Schäfe, und die Xenare als Allrounder.
Im P-Six-Bajonett gibt es nichts dem Triotar vergleichbares und handgepäckkompatibler sind die Rollei-Briketts allemal. Wenn die K-60 mitkommt, dann meist mit 65 und 180 und im Koffer.
Beste Grüße,
Franz
SamuliSchielke
Hallo Franz,
Danke für den Tipp. Das Bajonett ist Kiev-Original, Kiev 60 kommt also nicht in Frage. Das Gehäuse muss man vielleicht gar nicht tauschen, denn bis auf den daneben kalibrierten Spiegel sollte es einigermaßen in Ordnung sein - und ich habe sogar eine Ahnung wo ich ein neues 65er Mir auftreiben könnte... Vielleicht wird es noch was.
Samuli
Schwedenstahl
Mal ne dumme Frage? Hast du die Mattscheibe geprüft? Mir ist das mal in Schweden passiert, es ließ sich beim 250er kein unendlich mehr einstellen, ich hatte aber zum Glück eine 2. dabei. Zuhause hab ich dann festgestellt, dass sich die Mattscheibe dejustiert hatte.
Gruss
Marwan
UlfSpuhl
Hallo,
wieder hat die Kiev 88 gute Dienste geleistet und das Belichten des letzten Filmes hat wunderbar funktioniert.
Mit dem Ministudio und verschiedenen Figuren ging es um das Thema 'seelische Abgründe', ein Darstellen von inneren Grausamkeiten, Schmerzen und tiefschürfenden ambivalenten Gefühlen, ein Bereich des menschlichen Daseins der oft gerne ausgeklammert wird aber zum Leben unweigerlich dazugehört.
Die s/w Bilder sind kräftig im Kontrast, satt in den Tiefen und nur ab und zu etwas überstrahlt in den Lichtern.
Da mit Blende f/5,6 die Tiefenschärfe gering ist, liegt das Motiv nicht völlig im Schärfebereich, besser ist es, so wurde mir erklärt, die Blendenzahl zu erhöhen und die Verschnusszeit zu verlängern. Das wird beim nächsten Film Berücksichtigung finden. Wie schauen die Erfahrungen mit dem Belichtungspaar allgemein aus?
grußfluuu