SamuliSchielke
Hallo Forum,
ich sitze gerade in Kairo und werde in den nächsten Tagen einen Haufen SW-Filme entwickeln müssen. Das Fachlabor hat zu große Qualitätsschwankungen, also mach ich es selbst. Nur Netzmittel habe ich vergessen mitzunehmen, und da in Ägypten außer ein paar Künstlern keiner Schwarzweissmaterial selber entwickelt (altmodische Technik ist ein Luxus der ersten Welt), gibt es hier keine Fotochemie im Einzelhandel.
Also die Frage: gibt es etwas womit man Netzmittel bei Filmen notdürftig ersetzen kann? Oder soll man einfach auf gut ägyptische Art auf Gott vertrauen und mit nur Wasser waschen? Kalkgehalt des Trinkwassers ist nicht besonders hoch, dafür ist die Luft sehr staubig.
Samuli
Stagirit
Du könntest es mit Klarspüler für Spülmaschinen versuchen, an sich ist das auch nichts anderes als Tenside und Konservierungsstoffe.
Aber ich würde es erstmal mit einem Film ausprobieren und die Inhaltsangabe lesen, da es auch Klarspüler gibt, die Zitronensäure und ähnliches enthalten.
Oder Pril, dann hat der Film so einen angenehmen Duft.
Wolfgg
Warum benutzt man ein Netzmittel? Der Film soll antistatisch werden, vor Bakterienfraß geschützt werden und keine Kalkflecken bekommen. Alle 3 Forderungen erfüllen Ersatzstoffe aus dem Haushalt wohl kaum. Wäre es da nicht besser, destilliertes Wasser zu verwenden (gegen Kalkflecken) und aus der Apotheke noch ca. 1% Formalin (gegen Bakterienfraß) zu ergänzen? Beides müsste doch auch in Kairo zu bekommen sein. Das Trocknen dauert damit zwar etwas länger, weil der Entspannungszusatz fehlt, aber es bleiben auch ohne Abstreifen keine Flecken zurück.
Gruss Wolfgang
cfb_de
Hallo Samuli,
Schlußad mit dest. Wasser, danach in Ethanol, aufhängen, fertig.
Warum das Alkoholbad? Du schreibst, es sei recht staubig und da dachte ich mir, dass eine Verkürzung der Trockenzeit sicher nicht schlecht ist...
Netzmittel könntest Du ggf. auch durch einen Tropfen billigsten Spüli (billigstes! *Nicht* irgendsoein hautschonendes rückfettendes Zeug!) ersetzen. Das verhindert Kalkflecken ebensogut, wirkt hinreichend antistatisch und gegen Bakterienfraß ist auch in käuflichem Netzmittel nichts drin.
Beste Grüße,
Franz
PhilippReichmuth
Hi Samuli,
wie wäre es, wenn du stattdessen Stabilisatorbad für den Farbprozess nimmst? Das müsste eigentlich aufzutreiben sein. Eventuell kannst du dir in einem größeren Fachlabor à la `Antar davon einen halben Liter abfüllen lassen. Handschuhe an, Filme auf der Spule reintunken und fertig. Hat den Vorteil, dass es auch antibakteriell wirkt (keine Ahnung ob auch antistatisch).
Schönen Gruß nach Kairo -
Philipp
Wolfgg
Oder noch einfacher: nur in destilliertem Wasser baden und trocknen, aber nicht schneiden, dann kannst die Filme zuhause nochmal in den "kampferprobten" Schlussböden nachbehandeln.
Grüße Wolfgang
Wolf_XL
...bezüglich der Konservierung würde ich mich auf die einheimischen Spezialisten verlassen - die haben damit mehrtausendjährige Erfahrung... ;-)) Obwohl - ob es für den Film bequemlich ist, so in Binden eingewickelt zu sein....
Fragen über Fragen... ;-)))
SamuliSchielke
Danke für den Rat,
ich werde es wohl mit destilliertem Wasser probieren und sehen, wie es aussieht. Formalin kommt mir nicht so toll vor, ethanol wäre evt. eine Idee. Vorher werde ich mich vergewissern, dass das H2O made in Danmark ist. Zum Frühstück habe ich mir heute schon dänischen Blauschimmelkäse geholt. Lecker!
Samuli
Gast
>dänischen Blauschimmelkäse geholt<
o,ooooh, das könnte in Ägypten im Moment gefährlich werden, als Dänenfreund entlarvt zu werden. Hättest Du denn keine Nachrichten?
Trotzdem viel Spaß da unten.
Gruß
Martin
Gast
>dänischen Blauschimmelkäse geholt<
o,ooooh, das könnte in Ägypten im Moment gefährlich werden, als Dänenfreund entlarvt zu werden. Hättest Du denn keine Nachrichten?
Trotzdem viel Spaß da unten.
Grüße
Martin
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Wobei, dann hätte sich das Problem ja erledigt, ob man Netzmittel braucht oder nicht!
Schwedenstahl
Hallo das mit den dänischen Produkten kann ich nur bestätigen, hier in Saudi Arabien spinnen die auch vollkommen hier herrscht vollkommenen Hexenjagd auf alles dänische. Wobei ich jetzt auch voll Bock auf so nen tollen Käse hätte.
Gruss
Marwan
Stagirit
Mir macht langsam diese Kriegsrhetorik Sorgen, die Rede vom Verteidigen unserer Werte und so weiter.
Ich habe gehofft, ich würde zu einer Generation gehören, die keine größeren Kriege mehr erleben muss.
Gleiwitz steht in Dänemark.
SamuliSchielke
Ich habe heute hier im Spiel Kamerun - Elfenbeinküste fotografiert (Afrikameisterschaft. Samuel Etto'o hat den entscheidenden 11-Meter verschossen, ganz schön dramatisch), um was zum Entwickeln zu haben, und meine Brötchen mit Danablu haben den Leuten gut geschmeckt. Glücklicherweise haben die Ägypter die angenehme Eigenschaft, allgemeinpolitisch durchgedreht aber auf zwischenmenschlicher Ebene trotzdem ganz normal zu sein :(
Ich habe nach destilliertem Wasser gefragt, es ist erhältlich bei jeder Apotheke und Autoreparatur (für Akkus), das sollte also gut klappen.
Grüße
Samuli
SamuliSchielke
Hallo wieder!
Danke für die Vorschläge, destilliertes Wasser gegen Streifen und nachher Ethanol zum schnellen Trocknen (Sandsturm!) hat sich bestens bewährt. Es war nicht ganz einfach destilliertes Wasser zu finden, da unter der gleichen Bezeichnung auch verdünnte Schwefelsäure verkauft wird, aber in der Apotheke gibt es das, wenn auch nur in 50 ml - Verpackungen.
Der Besitzer eines Fotoladens hat mir aber etwas ganz anderes angeraten: Ein paar Tropfen Essigsäure in die Schlusswässerung und der Film sei streifenfrei. Ich bin etwas skeptisch, ob die Säure nicht die Archivfestigkeit beeinträchtigt. Hat jemand Erfahrung mit diesem Rezept?
Samuli
Wolfgg
Bei Kalk im Wasser handelt es sich um Kalziumhydrogenkarbonat Ca(HCO3)2. Gibt man etwas Essigsäure dazu, treibt die stärkere Essigsäure die schwächere Kohlensäure aus dem Salz und tritt an deren Stelle, es entsteht Kalziumazetat Ca(CH3COO)2. Kalziumazetat findet bei Lebensmitteln als Konservierungsmittel Verwendung (E263), um das Wachstum von Bakterien zu verhindern.
Also: Zugabe von einigen Tropfen Essigsäure kann Kalkflecken verhindern und die Gelatine vor Bakterien schützen, Problem ist aber die Dosierung. Man müsste unbedingt den pH-Wert kontrollieren, sonst besteht die Gefahr, dass man zuviel zugibt und zu sehr ins Saure abrutscht.
Eine Alternative wäre noch das Abkochen. Das gut wasserlösliche Kalziumhydrogenkarbonat zerfällt dann in das kaum lösliche Kalziumkarbonat, das sich als Kesselstein niederschlägt. Das abgekochte Wasser nach dem Abkühlen einfach abgießen, schon steht sehr kalkarmes Wasser zur Verfügung.
Gruß Wolfgang