andreasbrigachtal
Hallo Mirko
Es wurde in einem anderen Tread ja nach 220 Film nachgefragt. Ich glaube das tatsächlich ein Bedarf an 220er vorhanden wäre. Einen Adox 50 oder 100 wäre ne feine Sache!
Ist da auch was möglich? Ähnlich wie mit dem Barytpapier?
Mach uns mal einen Preis!
Und alle sagen mal ob sie Bedarf hätten!
Ich würde 50 Rollen abnehmen! bei einem guten Preis! ;)
Gut Licht
Andreas
-Brustvergrößerung durch Handauflegen- Termine nach Absprache
MirkoBoeddecker
Andreas,
Ich kann da keinen Preis machen.
Wir haben das ankalkuliert und einen groben Kostenplan aufgestellt, als es noch mehr Bedarf für 220er Filme gab (2002).
Es erfordert Investitionen von >100 000 EUR in Maschinen und Anlagen.
Verteile das mal auf die paar hundert Filme, die nachgefragt werden, und vergleiche, ob der Preis "gut" ist :-)
Selbst der 120er Rollfilm steht kurz vor dem Aus, seit die Umsätze auf 1/50 dessen eingebrochen sind, was sie noch in den 90igern waren. Vergleiche meine Kommentare im anderen Thread, wo ich angekündigt habe, dass es keinen Rollfilmträger (weltweit) mehr zu kaufen gibt und wir deswegen entweder die Rollfilme einstellen müssen (und alle anderen bald auch) oder man denkt sich was Neues aus und gießt z.B. auf KB-Unterlage.
Ich kann da nur antworten: Seid froh, dass wir uns für die paar Euro Umsatz überhaupt noch die ganze Mühe machen!
Fazit: Die bestehende Nachfrage nach Rollfilmmaterial muss unbedingt auf ein Format gebündelt werden.
Es kostet sehr viel Geld, einen industriellen Ablaufprozess zu implementieren oder zu ändern.
Zudem können 220er Filme fast nur vollautomatisch konfektioniert werden (Kleben), der Lichteinfall am Rand wäre ein Problem und die Filme bräuchten eine spezialgehärtete Rückseitenbeschichtung, um Kratzer auf der NC-Schicht zu vermeiden, wenn sie ungeschützt über die Andruckplatte gezogen werden. Das würden wir technologisch gar nicht hinbekommen ohne Synthese und die kostet dann nochmal 25 000 EUR pro Run.
Hängt leider viel mehr dran, als Ihr denkt.
Grüße,
Mirko
Gast
Mirko,
wie problematisch ist das mit dem Rollfilmträgermaterial einzuschätzen, bisweilen sind doch unterschiedliche Träger im Handel gewesen (Forte, Ilford, Efke als Beispiel).
Kann mir jemand erklären, warum immer plötzlich nichts mehr gehen soll, schon vor fünfzig Jahren hat das jede kleine Kunststoffabrik hinbekommen?
Ich kann mir ehrlich gesagt einfach nicht vorstellen, dass es nicht möglich ist einen Hersteller - meinetwegen hinter dem Ural oder in der inneren Mongolei - zu finden, der so etwas (Trägermaterial nicht Rollfilm 220) macht.
Roland
PS: Das mit dem Rollfilm 220 sehe ich genauso wie Mirko, es sei denn Mirko setzt seine Mitarbeiter in der Mittagspause daran - mit Schere und Lineal.
Gast
Tach nochmal
Schade! ;)
Ich möchte natürlich nicht, dass Mirko seine Mitarbeiter nötigt, im Dunkeln mit Schere und Tesa rumzupfrimeln!
Dachte auch nicht, dass der Aufwand so groß ist. Bleibt also nur 120er.
Schade, Schade, Schade!
Vielleicht ja doch noch irgendwo in Sibirien! :P
Gut Licht
Andreas
MirkoBoeddecker
Roland,
Bitte nenne mir die kleine Kunststofffabrik die auf +/- 1 micron genau Unterlage herstellen kann mit absolut gleichmäßiger Vorbeschichtung für einen akzeptablen Preis. Ich bin sofort dabei und kaufe dort ;)
Schon aus Zukunftsstrategischen Gründen....
Ich kenne weltweit nur 4 Quellen die die benötigte Qualität liefern können und die haben Anlagen in Betrieb die über 700 Millionen gekostet haben.
Es gibt eine Notfallquelle im Osten. Ja. Aber deren Filme haben Löcher in der Emulsion so groß wie Erbsen und manchmal zentimeterlang gar keine Emulsion. Der Träger haftet einfach nicht gut genug.
Da kaufen wir nur wenn wir wirklich keine andere Möglichkeit mehr haben und schmeissen dann 1/3 der Produktion weg und erhöhen den Preis.....
Die Herstellung von Filmen ist Hightech. In etwa dasselbe wie die Herstellung von Computer-Chips oder Wavern.
Dort wird mit vergleichbaren Toleranzen gearbeitet.
Das ist alles nicht so einfach wie man denken mag.
Vor 50 Jahren war der S/W Filmmarkt ein Riesending. Milliarden an qm wurden weltweit gegossen.
Heute versuche ich 5000 qm Unterlage für 3-5 Jahre zu ordern.
Geht einfach nicht. Entweder der qm kostet 10 000 EUR oder ich kaufe 100 000 qm.
Es ist überall in der Industrie so. Unser Lebensstandard definiert sich über preiswerte Produktion von Massenware.
Ist irgendein benötigtes Teilchen in der Kette nicht mehr Massenware explodiert der Preis und folglich kann das ganze Produkt nicht mehr verkauft und produziert werden.
Aber nochmal ganz deutlich: Die KB Unterlage ist qualitativ hochwertiger, stärker und teurer !
Ich vermute dass nur aus kostengründen bisher Rollfilme auf dünnere Unterlage gegossen worden sind.
Das Produkt wird also Besser und es macht keinen Sinn der alten Unterlage nachzutrauern.
Grüße,
Mirko
Gast
Mirko,
mir erscheint prinzipiell auch KB-Unterlage besser, wie sich das aber auf die Planlage und insbesondere den Bildabstand auswirkt, ist nur schwer abzuschätzen.
Ist die andere Quelle zufällig "OAO"AK"CBEMA aus Schostka in der Ukraine, ich habe zwar auch mitunter Läger in den Filmen festgestellt, aber definitiv nur solche die da von Svema mechanisch reingekratzt wurden (vielleicht 1/10 mm groß.
Die Emulsion hält an sich gut auf dem Träger, ich hatte keine Schichtablösungen oder dergleichen.
Roland
Gast
Jetzt wird hier schon fast der 120er Rollfilm totgeredet. Wenn es auch keinen 120er mehr gibt, dann nehme ich mir einen Strick. Ich bestelle jetzt schon den 220er Farbfilm kartonweise damit mir noch jemand zu einem sinnvollen Preis liefert.
Wobei ich mich frage, warum es so schwierig ist den 120er herzustellen, mein Opa hat den schon vor dem Krieg benutzt, und damals war man noch nicht zum Mond geflogen. Der 220er wurde ca. 1962 eingeführt.
Gast
Jetzt wird hier schon fast der 120er Rollfilm totgeredet. Wenn es auch keinen 120er mehr gibt, dann nehme ich mir einen Strick. Ich bestelle jetzt schon den 220er Farbfilm kartonweise damit mir noch jemand zu einem sinnvollen Preis liefert.
Wobei ich mich frage, warum es so problematisch ist den 120er herzustellen, mein Opa hat den schon vor dem Krieg benutzt, und damals war man noch nicht zum Mond geflogen. Der 220er wurde ca. 1962 eingeführt.
MirkoBoeddecker
Petzi,
ich wiederhole nochmal:
Es ist überall in der Industrie so. Unser Lebensstandard definiert sich über preiswerte Produktion von Massenware.
Ist irgendein benötigtes Teilchen in der Kette nicht mehr Massenware explodiert der Preis und folglich kann das ganze Produkt nicht mehr verkauft und produziert werden.
Alles steht und fällt mit der Menge der Nachfrage.
Vergleiche mit meinen früheren Aussagen: Auch die Qualität ist eine Frage der Menge bei fotochemischen Produkten. In den 50iger und 60iger Jahren konnte man sich alles leisten was damals technisch machbar war weil die Aufwendungen auf Millionen Filme verteilt worden sind.
Da konnte man mal eben für 50 000 EUR Hüter synthetisieren oder Sensibilisatoren und Kodak hat eigene Rinderherden unterhalten die nur bestimmtes Gras fressen durften damit bestimmte Substanzen nicht in die Gelatine kamen.
Heute muss man da phantasievoller sein.
Sicher könnte man in Kleinstserien die Filme von Hand rollen, das Schutzpapier mit dem Cutter schneiden und mit dem Tuschestift die Nummern hintendrauf durch eine zuvor geschnitzte Schablone ziehen.
Ein Film kostet dann 30 EUR.
Also was machen wir? Wir versuchen zusammenzulegen wo es geht.
Wenn es uns also gelingt auf einen Träger zwei Filmtypen zu gießen dann ist das ein Riesenvorteil!
Grüße,
Mirko
Gast
Ich wüsste ganz gern wie real die Bedrohung des Rollfilmes wirklich ist.
Das mit den Rinderherden finde ich ganz interessant, nette Anekdote. ;)
Gast
Es gibt eine Notfallquelle im Osten. Ja. Aber deren Filme haben Löhner in der Emulsion so groß wie Erbsen und manchmal zentimeterlang gar keine Emulsion. Der Träger haftet einfach nicht gut genug.
Da kaufen wir nur wenn wir wirklich keine andere Möglichkeit mehr haben und schmeissen dann 1/3 der Produktion weg und erhöhen den Preis.....
Dann würde ich mich mal mit denen absprechen, ob man da nicht etwas verbessern kann.
Die 700 Mio.-Fabrikanlagen-Westfirmen sagen sonst - nee lohnt sich nicht mehr, wir verschrotten unsere Luxusmaschinen...
... inzwischen ist dann aber auch der Staatsbetrieb in Absurdistan privatisiert und Pleite, weil keiner sein Trägermaterial gekauft hat!
Grüße
Winfried, der noch gerne eine Weile mit Rollfilm arbeiten möchte
RomanJRohleder
Winfried,
>Die 700 Mio.-Fabrikanlagen-Westfirmen sagen sonst - nee lohnt sich nicht mehr, >wir verschrotten unsere Luxusmaschinen...
Zum einen sind die Maschinen nicht sonderlich mobil - einmal aufgebaut ist es mit dem Transport mehr oder minder vorbei -, sonst stünde die L6 unter alter Marke seit 10 Jahren in Polen oder der Slowakei und die Agfaphoto hätte es niemals gegeben.
Zum anderen interessiert das:
>... inzwischen ist dann aber auch der Staatsbetrieb in Absurdistan privatisiert >und Pleite, weil keiner sein Trägermaterial gekauft hat!
... die Hersteller nicht. Deren Standpunkt ist "Wenn ich damit kein Geld verdienen kann, sollen andere es auch nicht. Verschenkt wird nix."; genau damit hat Kodak seine SW-Papier-Sparte an die Wand gefahren und den anderen den Markt versalzen.
Gast
Roman,
... die Hersteller nicht. Deren Standpunkt ist "Wenn ich damit kein Geld verdienen kann, sollen andere es auch nicht. Verschenkt wird nix."; genau damit hat Kodak seine SW-Papier-Sparte an die Wand gefahren und den anderen den Markt versalzen
Das wäre doch ein Argument das Trägermaterial aus Rußland zu
kaufen und den wahrscheinlich museumsreifen Betrieb am Leben zu erhalten.
Mir ist das ziemlich sch…egal, ob das Material nicht so gut ist, was nützt mir es, zwei Jahre länger Spitzenware zu bekommen, wenn dann in Ermangelung geeigneten Trägermaterials die komplette Filmproduktion eingestellt werden muss?
Zum einen sind die Maschinen nicht sonderlich mobil - einmal aufgebaut ist es mit dem Transport mehr oder minder vorbei -, sonst stünde die L6 unter alter Marke seit 10 Jahren in Polen oder der Slowakei und die Agfaphoto hätte es niemals gegeben.
Hab ich auch nicht behauptet, ich dachte an auseinanderreißen und den Schrott als Rohstoffe verscherbeln.
Ich sehe schwarz, wenn man in dem Punkt sich nicht von solchen Giganten unabhängig machen kann.
Grüße
Winfried
Gast
Hallo,
das sind wieder mal Hiobsbotschaften....ich freue mich immer wenn mal was neues angekündigt wird wie der hochauflösende Film von Adox.
Wie sieht es denn mit Farbrollfilmen aus, Dia und Negativmaterial wird das da auch so kritisch???
Gruss
Marwan
MirkoBoeddecker
Marwan,
die Situation ist nicht so kritisch. Wir werden die Rollfilme nicht von heute auf Morgen einstellen und bei Foma haben wir ja auch schon zweimal in der Vergangenheit interveniert und die Rollfilmproduktion am Leben gehalten.
Ich sehe eigentlich keinen Grund warum man den fehlenden Träger nicht durch einen anderen substituieren könnte.
Der Unterschied sind 20-30 Microns. Ich kann mir nicht vorstellen dass irgendeine Andruckplatte deswegen klemmt und sich dann der Film nicht mehr transportieren lässt.
Der Bildabstand wird dadurch nicht beeinträchtigt weil ja immer noch die Vorderseite des Trägers mit der Emulsion am Bildfenster anliegt.
Nur in die andere Richtung zu rudern und die bestehende Nachfrage noch auf ein zusätzliches Rollfilmprodukt zu verteilen das wäre falsch in der jetzigen Situation.
Wir sind ja sowieso mit der flexibelste Anbieter von allen und werden schon eine Lösung finden.
Ihr müsst Euch eben nur an kleinere Änderungen hier und da gewöhnen.
Grüße,
Mirko
Gast
Mirko,
Ich weiß nicht, inwiefern jemandem damit gedient wäre, aber Du könntest doch mal nachprüfen, ob man den Rollfilm als Rollenware anbieten kann und dazu den Papiervorspann mitliefern, dann kann sich der, der das will, in seiner Duka selbst Rollfilm 220 machen.
einen guten Rutsch
Robert
MirkoBoeddecker
Hallo Robert,
das haben wir schon bedacht.
Das läuft aber leider die grundsätzlichen Probleme nicht die da wären:
1) Es gibt diesen Papiervorspann und Nachspann nicht zu kaufen und er kann ohne größere Investitionen auch nicht gefertigt werden.
2) Normales Papier gekappt hätte nicht die richtige Startmarkierung und ist nicht sicher genug gegen Lichteinfall. An das Kodak Spezialpapier kommt keiner ran.
3) Der Film würde immer noch auf der Rückseite verkratzen.
4) Wir verfügen über keinen ausreichenden, chemisch inaktiven, Kleber um den Film so ans Papier zu kleben dass er nicht reißt.
Wenn diese Probleme lösbar wären könnte man den Film auch herstellen lassen.
Es bleiben nur diejenigen die Ihre Kodak Spulen "wiederbefüllen" aber das geht auch nur 2-3 mal.
Grüße,
Mirko
MirkoBoeddecker
Petzi,
das mit der Rinderherde:
Eastman Kodak wäre (ich glaube in den 20igern) um ein Haar bankrott gegangen, weil fast eine komplette Jahresproduktion an Film völlig unbrauchbar geworden ist.
Sie mussten allen Film abschreiben und jedem Kunden seine Filme ersetzen, weil nach ein paar Monaten reifen der Film plötzlich "gefallen" ist (Keine Empfindlichkeit mehr, kein Dmax mehr).
Das alles war passiert, weil die Rinder, die die Gelatine geliefert haben, zu viel von einem Kraut (habe vergessen, was es war) gefuttert haben und die Abbauprodukte, die sich bis in die Gelatine gehalten haben, waren nicht chemisch inaktiv und haben reagiert.
Soetwas steht uns in der Zukunft wieder bevor. Die Kodak Rinderherde gibt es nicht mehr.
Grüße,
Mirko
Gast
Hallo,
meines Wissens waren das irgendwelche Senf-Arten, deren hoher Gehalt an schwefelhaltigen Verbindungen schlussendlich die Fotoemulsion mit Schwefel dotiert hat.
Grüße
GeorgK
Gast
Hallo Rollfilmbenutzer!
Ihr habt mich jetzt total verunsichert!
Ich habe verstanden, dass es keine 220er Rollfilme mehr gibt.
Aber habe ich die Beiträge richtig interpretiert, dass auch keine
Rollfilme 120er mehr produziert werden (fehlendes Schutzpapier etc.)?
Bezieht sich diese Aussage nur auf die Produktion von Adox/efke oder
auf alle Hersteller wie Ilford, Fuji, Lucky, Forte etc.?
Ich hoffe, dass ich das falsch verstanden habe sonst können wir unsere
Mittelformatkameras verschrotten.
Grüße von Franz