Gast
Hallo,
kann jemand meine Vermutung bestaetigen, dass Rodinal bei einigen Filmen eine "Desensibilisierung" bewirkt.
Wenn ich Filme, gaenzlich ausgenommen seien Agfa und Ilford, darin entwickle bekomme ich einfach fast immer Gruen wie Schwarz und Himmel ohne Zeichnung.
Ohne dass der Kontrast an sich zu hoch waere, bei Motiven ohne Blau ist alles wieder normal.
Konkret genannt sei Fortepan und Kodak, bei denen das so wirkt, wie geschildert.
Jedenfalls bestehen meine Bilder dabei ziemlich aus dunkelgrauen tonwerten und hellen Lichtern, die Mitte fehlt.
Otto
RomanJRohleder
Otto,
wie soll das gehen?
Die Sensibilisierung greift bei der Aufnahme - durch Abstimmung der Emulsion mit Hilfsstoffen wird bestimmt wie der Film auf welches Spektrum reagiert, der Entwickler spricht dann nur noch auf "belichtet" und "unbelichtet" an und reduziert das belichtete Silberhalogenid.
Habe nie von so etwas gehört, nie so etwas gesehen und kann es auch nicht nachvollziehen.
cfb_de
Hallo Otto,
so rein physikochemisch hat der Roman völlig recht. Der Entwickler als bläues autokatalytisch gesteuertes Reduktionsmittel geht nur auf das los, was er angreifen kann. Also auf belichtete Silberionen, wo schon ein paar physikalisch (durch Lichteinwirkung) "entwickelte" Silber-Cluster vorhanden sind.
Funktionsbedingt (und da haben die Güter ausnahmsweise mal keine Interpretationsmöglichkeit vor die Wissenschaft gesetzt) ist ein Entwickler "farbenblind". Entweder der Film ist blind, oder er wurde vergewaltigt (überentwickelt). Könnte es sein, dass Du Deine Filme einfach zu lange badest, diese folglich zu steil werden und Du deshalb die berühmten "Tonwerte" vermisst? "Die Mitte fehlt" deutet nämlich genau darauf hin.
Im Übrigen ist -wenn nicht grad ein relativ rotblinder Efke/Adox im Gerät steckt- der orangene Filter ab und an recht geeignet, Zeichnung in den Himmel zu kriegen. Oder auch die ganz klassische "Nachbelichtung" im Labor.
Beste Grüße,
Franz
Gast
Franz, Roman,
ich bin kein Chemiker, aber ich sehe das anders, denn die unterschiedlichen Sensibilisierungsfarbstoffe, reagieren vielleicht doch unterschiedlich auf verschiedene Entwicklersubstanzen.
Ich zweifle Eure chemischen Fachkenntnisse sicher nicht an.
Wenn man eine Efke 50 Packung auswertet, dann gibt ja Efke auch je nach Entwickler andere Empfindlichkeiten zu Kunst- und Tageslicht an.
In manchen hat er bei Kunstlicht gleich viel DIN wie bei Tageslicht und in anderen nicht, das scheint mir doch eine gewisse Beeinflussung der Chromasie zu sein.
Roland
Gast
noch etwas
Franz,
ich benutze gerne efke und Orangefilter, kein Problem +1,5 - 2 Blenden, ich glaube Du nimmst Rodinal, ich ID 11, vielleicht ist das wirklich so, das Rodinal nach orthochromatisch oder unsensibilisiert verschiebt.
Roland
cfb_de
Hallo Roland,
das hängt einzig und allein mit der Sensibilisierung des Films zusammen. Es gibt *keinen* Entwickler, der darauf Einfluss nehmen kann. Wie auch?
Ein Entwickler ist ein Reduktionsmittel mit einem bestimmten Redox-Potential, was so gelegt wird, dass man durch physikalisch entwickelte Silberkeime (=Latentbild) katalysiert Silberionen reduziert. Weiter macht die Suppe nichts und von Sensibilisierungsfarbstoffen merkt sie nicht einmal etwas.
Gerade bei den Efkes wird die Sensibilisierung schön deutlich gemacht: Im wärmeren Kunstlicht wird eine geringere Empfindlichkeit angegeben, eben weil der Film nicht ganz so rotempfindlich ist. Ich finde das sehr fair und ehrlich vom Hersteller. Orangefilter nehme ich auch ab und zu, aber das drückt den 50er soweit, dass es mir keinen Spaß mehr macht. Da sind schnell ein bis zwei Sekunden zusammen.
Das hängt aber absolut nicht mit dem Entwickler zusammen. Ob Rodinal, ID11, Nescafé völlig egal, was die Sensibilisierung anbelangt.
Beste Grüße,
Franz
Gast
Franz,
ich habe eine KB 50 Schachtel aufgemacht, da steht
FR3 tageslicht 50/18 Kunstlicht 50/18
FR14 80/20 50/18
FR16 50/18 50/18
FRE24 160/23 100/21
das wundert mich, nicht die Differenz zwischen kunstlicht und Tageslicht sondern die Abweichung.
Gast
Nehmen wir doch mal folgendes an, es handelt sich um einen Zweischichtenfilm und beide Schichten sind unterschiedlich sensibilisiert, dann ist doch klar dass beide Schichten divergierend auf den Entwickler reagieren und sich ein anderer Bildeindruck ergibt.
Wie das bei einem / angeblich / einschichtigem Film mit unschiedlichen Farbstoffen ist, kann ich nicht beurteilen, aber mir scheint es immerhin denkbar.
Roland
Gast
Roland,
das klingt plausibel, deine Idee.
Otto
andreasbrigachtal
tach franz
bin endlich mal wieder online und nun das!
nescafe! also bisher hab ich immer rodinal in allen variationen genutzt und jetzt das!
gib mal die zeiten. meine filme zur zeit kodak trix320, hp5+, acros, techpan, ilford und kodak 3200.
bin mal gespannt!
andreas :D
ich bin so klein und werd es immer bleiben
RomanJRohleder
Roland,
die von Otto im weitesten Rahmen -nur nach Herstellern- genannten Filme sind aber keine Mehrschichtfilme im Sinne verschieden empfindlicher "Lagen" - "Mehrschicht" bezieht sich hier auf das Aufbringen verschiedenster Funktionsschichten, bspweise Binder-, Filter-, Schutzschichten.
Die kannst du nicht gezielt mit dem Entwickler "ansprechen".
Mehrschichtfilme in deinem Sinne sind seit 40 Jahren nicht mehr im Massengebrauch (und da schließe ich die aktuelle weiter heiß diskutierte Version "aus deutschen Landen" mit ein). Und auch da ist das mit dem gezielten "Ansprechen" so eine Sache...
"Wie das bei einem / angeblich / einschichtigen Film mit unterschiedlichen Farbstoffen ist,"
Nix "angeblich". Es gibt in der Regel eine homogen sensibilisierte Schicht - guck dir bspweise den Schnitt eines APX100 an.
Und zu den verschiedenen erreichbaren Empfindlichkeiten bei den Efke-Entwicklern - die sind immer abhängig von Belichtung und Entwicklungszeit.
Setz dich mal mit den Grundlagen der Sensitometrie auseinander, dann wird dir das klarer. Zu empfehlen für den Einstieg ist ein kleines Heftlein von der Agfa-Gevaert aus den 1970ern, "Sensitometrie". Erklärt alles auf etwa 15 kleinen Seiten...
Ne, wirklich, Otto hat da falsch belichtet und/oder falsch entwickelt.
cfb_de
Hallo Roland,
hmm. Auf welchen Roland soll ich jetzt antworten?
Auf den mit der Frage nach unterschiedlichen Entwicklungszeiten oder auf den mit der Antwort "Zweischichtenfilm"?
Nun gut. Ich antworte beiden und beginne mit dem ersten (dem "Entwicklungszeiten-Roland").
Die von Dir beschriebenen Effekte sind nichts besonderes. Schon immer haben die Filmhersteller ganz simpel für Kunstlicht (also mangelnde Sensibilisierung) entsprechend in Richtung "reichlich" angepasste Entwicklungsempfehlungen gegeben.
Dem zweiten Roland ("der Zweischichtige") möchte ich etwas ganz simples mitgeben: Nimm einen derartigen Film, werfe ihn in Papierentwickler für ca. 5 min. Schau, was passiert.
Nimm' einen zweiten Film. 5min Papierentwickler, dieses Mal aber *vorher* irgendwas wie Ultrafin/A49/DS12 vorher.
Hm. Da wird kein Unterschied sichtbar sein. Und das wäre eine "ideale" Entwicklung einer wirklich zweischichtigen Emulsion. Weich vorspülen und zum Schluss hart fertigbacken. Allerdings gibt es keine halbmillimeterdick beschichteten Zweischicht-Glasplatten mehr.
Gut. Polemik ex.
In Wirklichkeit geht es darum, ein Reduktionsmittel auf eine Silberhalogenid-Schicht loszulassen. Im Idealfall sogar darum, dass dieses nur dort wirkt, wo es erwünscht ist. Also dort, wo bereits durch "Belichtung" partiell reduziert wurde und folglich ein "Latentbild" vorhanden ist. Genau dieses wird dann per Katalyse entsprechend aufgefrischt, damit es für Auge und Photopapier drunter "sichtbar" wird.
Mehr passiert da nicht. Und weil wir alle als Laboranten zu doof sind, diesen Prozessändig hinzubekommen... Deswegen werden Filme nicht ausentwickelt, Papiere oder Dias in der Zweitentwicklung aber schon. Das ist die menschliche Krücke für die Anwendung richtiger Wissenschaft.
Faszinierend, irgendwie. Chemie, die Bilder als Ergebnis hat.
Beste Grüße,
Franz
ChristianKolinski
bin endlich mal wieder online und nun das!
nescafe!
Ja, klar. Tut. Sogar richtig fein für Imagelink & Co.
also bisher hab ich immer rodinal in allen variationen genutzt und jetzt das!
gib mal die zeiten. meine filme zur zeit kodak trix320, hp5+, acros, techpan, ilford und kodak 3200.
bin mal gespannt!
Bin zwar nicht Franz, aber zumindest mit Anhaltspunkten für den Techpan bzw. die Kodak-Mikrofilme kann ich dir dienen:
3 Teelöffel Instant Kaffee und 3 Teelöffel Waschsoda
auf 250ml heißes Wasser. 45min bei 1x schütteln pro 5 minuten.
Klopft alle filme richtig weich. Für normale Filme Kaffeeanteil
verdoppeln (arbeitet dann härter).
Allerdings nicht mit Nescafe sondern Lidl-Instant probiert...
Nein, keine Smileys. Ernsthaft.
andreasbrigachtal
tach christian
soll wirklich kein witz sein? :huh:
bitte klarstellen! ich probier das dann auch aus! :D
obwohl ich nicht so recht daran glauben kann. :unsure:
zum wochenende komm ich wahrscheinlich sogar bei lidl vorbei! konnte vor kurzen ein paar abgelaufene techpan günstig erstehen. da kann ich sicherlich mal einen opfern! :D
ich hoffe das der kaffee notfalls auch bekömmlich ist!
gut licht
andreas
ich bin so klein und werd es immer bleiben
RomanJRohleder
Andreas,
kein Witz.
Google mal nach "Caffeenol" (oder "Coffeenol"), "Folgernol" und "Use for the last cup of coffee".
ChristianKolinski
tach christian
soll wirklich kein witz sein?
Nein, kein Witz.
Guck mal:
http://www.blafh.de/caffenol1.jpg
(Jaaaa, gegen den Staub muss ich was tun. Und warum die Japaner das gute Rokkor als Fix-Focus verbauen mussten entzieht sich auch meinem Verständnis...).
Kodak Imagelink FS in dem o.g. Rezept, E.I. 100. Kamera: Revue 16KB (aka. Minolta 16MG). Negativformat 10x14mm,
Abzug auf Fomaspeed Varian III, Grad. 2.
bitte klarstellen! ich probier das dann auch aus!
Mach ruhig...
konnte vor kurzen ein paar abgelaufene techpan günstig erstehen. da kann ich sicherlich mal einen opfern!
Clip den. Also teil den in so 15cm lange Streifen, dann hast mehr Material zum experimentieren, wie bei jedem "pi*Daumen" Selbstansatz wirst du etwas variieren müssen. Den Orginal TechPan hab ich nicht eingetestet, der war mir immer zu teuer...
BTW: Entwicklunstemp. 20°C, und mit Koffeinfreiem tut es _nicht_, da wird außer dem Koffein wohl noch anderes rausgezogen.
Gast
Franz,
aber,
wenn der Film in Efke FR3 immer 18 DIN hat, warum hat er dannin FR 14 bei Tageslicht 20 und bei Kunstlicht 18.
Entweder Efke gibt da Unfug an, oder du kalkulierst hier etwas nicht ein, ich kann es nicht beurteilen, gestehe mir das zu.
Roland
andreasbrigachtal
hallo christian und roman
das werd ich ausprobieren! ich mach ja fast alles! klappt das eigentlich auch mit filterkaffee?
bin mal gespannt. das kommt dann auf meine webpage bzw das link ich dann hier. künftig werde ich mit einigen freunden auch auf positivwelten.de zu sehen sein. ist aber zur zeit im aufbau. also nix zu sehen. vielleicht gibt das ja ein extra in meinem geplannten laborbereich.
ach ja frage an franz: kann das mit dem kaffee vom chemiker erklärt werden?
ich der das wochenende kaum erwarten kann!
andreas :D
cfb_de
Hallo Roland,
ganz einfach. Du hast es mit zwei unabhängigen Dingen zu tun. Ich versuche mal, das zu erklären.
- Der Entwickler. Ein Reduktionsmittel, dem die Sensibilisierung des Films völlig egal ist, weil die Chemie nicht wissen kann, gegen welche Photonen jetzt der Film besonders empfindlich ist. Das, was irgendwie als Latentbild vorhanden ist, wird per katalytischer Reduktion verstärkt. Mit dem einen Entwickler klappt das mitunter stärker als mit dem anderen, daher die "Empfindlichkeitsunterschiede". Das hat aber nichts mit der Sensibilisierung zu tun.
- Die Sensibilisierung. Prinzipbedingt ist eine Filmschicht am roten Ende des Spektrums unempfindlicher. Dem wird mit "Sensibilisierungsfarbstoffen" auf die Sprünge geholfen. Allerdings funktioniert das nur eingeschränkt (wird dann als "ortho"/"pan"/"superpan"-Sensibilisierung bezeichnet) und sorgt mitunter dafür, dass bei Kunstlicht (also eher langwelliger Strahlung, wo der Film unempfindlicher ist) eine geringere Empfindlichkeit angegeben wird. Das hängt aber überhaupt nicht mit dem Entwickler zusammen.
Die Ansage einer geringeren Empfindlichkeit bei Kunstlicht finde ich sehr fair von Efke, denn dieses Material ist ja im Rotbereich weniger sensibilisiert. Bez. der mißverständlichen Angaben im Datenblatt: Du kannst es ja mal ausprobieren. Es dürfte sich auch bei FR3 ein Unterschied zeigen. Datenblattangaben sind leider auch keine biblischen Wahrheiten und stark davon abhängig, welcher Aufwand getrieben wurde.
Beste Grüße,
Franz
cfb_de
Hallo Andreas,
irgendein Reduktionsmittel mit geeignetem Potential wird da wohl drin sein. Welches? Da habe ich keine Ahnung. Naturstoffchemie ist mir eher unvertraut.
Prinzipiell kann man mit jedem Reduktionsmittel (passenden Potentials) ein Latentbild entwickeln. Sogar mit Pferdepi***, da ist auch etwas geeignetes (ein Pyrocatechol-Abkömmling, fehlt beim Menschen:-) drin.
Da kommt der ganze Spaß wohl her:
http://www.photo.net/bboard/q-and-a-fetch-...g?msg_id=003aPB
Beste Grüße,
Franz