JohnSaves
Hallo,
ich bin noch ziemlich unerfahren in der Filmentwicklung und ärgere mich regelmäßig, wenn ein weiterer Film eigentlich toller Bilder beim Entwickeln aus irgendwelchen scheinbar unerklärlichen Gründen leidet...
Ein aktuelles Beispiel dazu, ich wäre diesbezüglich um Hinweise und Verbesserungsvorschläge dankbar.
Ausgangslage:
Ein
Ilford HP5 Plus 400 SW-Film wurde normal belichtet (Belichtungsmesser der Kamera stimmt!) und folgendermaßen entwickelt:
- Entwickler: Tetenal Ultrafin T-Plus, frischer Ansatz aus frischen Entwickler, Lösung 1+4
- Entwicklungsart: Kippentwicklung in Entwicklungsdose, während der ersten 30 Sekunden ständig gekippt, danach 1 x alle 30 Sekunden
- Entwicklungszeit: 9:15 Minuten (nach Anleitung von Tetenal)
- Entwicklungstemperatur: exakt 20°C
- Entwicklungsprozess: 1. Entwicklen, 2. Zwischenwässern (Ilford-Methode), 3. Fixieren mit Adofix (doppelte Klärzeit, ich meine es waren 6 Minuten), 4. Schlusswässern nach Ilford-Methode und zuletzt kurzes Bad in destiliertem Wasser mit Adoflow.
Im
Ergebnis wirkt der komplette Film deutlich überbelichtet und flau. Hier ein unbearbeiteter Scan direkt vom Raw (Vuecan & Nikon Coolscan IV):

Ich bin dankbar für Hinweise, was ich falsch mache, könnt ihr mir Hinweise geben?
Urnes
Wie beurteilst du das Negativ? Nur anhand von dem Scan? Dann reicht es das Bild in Photoshop zu öffnen und in der Tonwertkorrektur die Schieberegler an das Histogramm zu legen.
Ist dir das Negativ selbst zu dicht. Hmmm. Ich nehm mal an du hast alles genau nach Anleitung gemacht. Zwei Punkte fallen mir auf der Kipprhythmus scheint mir 1x alle 30 sec. reicht schnell (ich benutz aber auch kein Ultrafin) und ich würde nach der Entwicklung mit Stopbad arbeiten statt mit Zwischenwässerung.
Gruss Sven.
AntiLynd
Ja, schau dir mal die Negative genauer an und/oder poste ein Foto von einem Negativ (von hinten durchleuchtet).
Ich vermute auch, dass du deutlich überbelichtet (also nicht überentwickelt) hast. Bei einer Überentwicklung wäre der Film das Gegenteil von flau, nämlich zu kontrastreich. Bei deutlicher Überbelichtung (drei, vier Blenden) landet das komplette Bild zu weit oben in der Kurve, wo die Negativdichte sowohl zu dicht als auch im Verlauf flacher (kontrastärmer) ist. Genau wirkt das auch bei dir. Zweites Indiz: du hast Schattenzeichnung, um die dich andere Leute beneiden würden (der Hals zwischen Bart und Schal).
Anders als Urnes würde ich daher sagen: bei der Entwicklung machst du schon alles richtig. 1x alle 30sec ist bei vielen Leuten absolut üblich und keine plausible Ursache für Negative, die regelmäßig zu weit oben auf der Kurve landen.
Ein saures Stopbad ist überflüssig. Viele der Leute, die eins benutzen, tun dies, ohne dass sie jemals ein Problem gehabt hätten, das durch ein Stopbad gelöst würde. Und auch du hast auf Grundlage dessen, was du beschreibst, definitiv ebenfalls kein solches Problem (selbst Überentwicklung würde nicht dazugehören).
Von daher: verifiziere mal, dass dein Belichtungsmesser nicht nur stimmt, sondern dass auch du ihn und die Kamera richtig eingestellt hast (nämlich auf einen EI von 400, besser etwas drunter, bis ca. 200).
AntiLynd
PS: was nutzt du eigentlich für eine Kamera? Kannst du ausschließen, dass deine Verschlusszeiten nicht falsch laufen? Das wäre nämlich auch möglich: dass dein Verschluss verharzt ist, und daher z.B. 1/30 sec in Wirklichkeit 1/4 sec lang ist.
ThomasPauly
Scanner haben mit vergleichsweise dichten Negativen schon mal solche Probleme. Möglicherweise kommen die Aufnahmen als fotochemische Vergrößerungen aber völlig normal.
Es kann auch ein Einstellungs- oder Bedienungsfehler des Scanners bzw. der Software vorliegen. Wurde vielleicht bei einem Stapelscan unbeabsichtigt die Einstellung unverändert von einem früheren Scan übernommen? Oder war bei beim Messen noch der Steg zwischen den Negativen mit im Anschnitt?
Wie oben empfohlen, wäre eine Digitalaufnahme des Negativstreifens auf der Leuchtplatte hilfreich, um festzustellen, ob die Ursachen überhaupt im Negativ liegen.
Grüße
Thomas
Urnes
Was mir im Nachhinein noch aufgefallen ist. Mir scheint das Bild ist ist nur im oberen Teil zu flau. Arm und Mantel sind vom Kontrast eigentlich o.K. Aber das müsste man im Original-Negativ sehen.
Gruss Sven.
DerReisefotograf
Und du bist sicher, dass die Kamera richtig funktioniert? Also, dass die Blende auf den vorgegebenen Wert schließt? Und der Verschluss auch seine Zeiten einhält?
Am besten du zeigst mal einen abfotografierten Negativstreifen, auf der Leuchtplatte oder vorm Fenster, damit man sieht, wie die Negative in Wirklichkeit aussehen.
grommi
Ich glaube, das ist ein hoffnungslos misslungener Scan. Raw, unbearbeitet? Würde das Ergebnis zumindest teilweise erklären. Unbearbeitete, also nicht "entwickelte" Raws sehen grauenhaft aus. Aus dem jpg lässt sich jedenfalls nichts mehr zaubern.
DerReisefotograf
Mich interessiert erstmal nur das Negativ, solange wir nicht wissen, wie dieses Negativ aussieht, macht es keinen Sinn nach dem Scan zu fragen.
TR
Moin. Du scheinst korrekt auf die Schatten belichtet zu haben. Doch generell muss das Negativ betrachtet werden, wie bereits erwähnt.
Mir sieht dies eher nach einer fehlerhaften Digitalisierung aus: Der sogenannte "Gamma-Wert" ist viel zu hoch (Mittentöne werden überproportional drastisch "hochgezogen"). Solltest du zur Digitalisierung das Programm "Silverfast" nutzen, ist es hier ganz wichtig, als Kurve "Linear" zu wählen und in den Grundoptionen als Gamma "1" (statt 2.2). Erst dann (man hat nun einen "Rohscann") sollte der Positivprozess bestenfalls in Photoshop weiter geführt werden.
Edit: sehe gerade, dass du nicht mit Silverfast scannst. Doch bei "Vuescann" wird es ähnlich sein: Alle Bildbearbeitungsoptionen radikal ausschalten und die Bildbearbeitung erst später in einem hierfür gedachten Programm vornehmen.
JohnSaves
Ok,
vielen Dank für die vielen Hinweise! Sorry, dass ich erst jetzt schreibe, war die ganze Woche geschäftlich unterwegs.
Ein paar weitere Infos zur Klärung:
?
- Meine Kamera belichtet korrekt, ich habe in der Regel perfekt ausbelichtete Bilder. D.h. ich gehe davon aus, dass Belichtungsmesser und Verschluss funktionieren.
- Zum Scan: Ich verwende immer exakt die selben Scanneinstellungen in Vuescan um reproduzierbare Ergebnisse zu erhalten. Daran liegt es m.E. nicht.?
Von daher habe ich an den Entwicklungsprozess gedacht...
- Zu den Negativen: Ich habe keine Digicam mehr, ich werde mal probieren mit dem Handy ein passendes Bild machen... kommt!
JohnSaves
Ok, hier noch ein paar Bilder von den Negativen. Es ist gar nicht so einfach, die gut mit einem alten Handy zu fotografieren, ich werde das später nochmals unter besseren Bedingungen und ohne Pergamin versuchen...

€
Ein weiteres Beispiel mit dem ich unzufrieden bin:
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€
und das Negativ:
AntiLynd
Gut, dann scheiden Fehlentwicklung sowieso und jetzt auch Fehlbelichtung aus. Deine Negative sind auf jeden Fall printbar. Das Problem ist dein Scanner, die Software und/oder deren Verwendungsweise. Schau dir nur z.B. die gute Durchzeichnung des Hintergrunds auf deinen Negativen an. Das entspricht vielleicht so „Zone“ VI bis VII, höchstens. Warum geht das komplett flöten im Scan? Und woher kommt, quasi am anderen Ende, der extreme Mikrokontrast in der Sonnenbrille (im Scan, vgl. mit dem Negativ)?
€
Für mich sieht alles danach aus, als würde der Scanner die „Belichtung“ komplett falsch, nämlich gewissermaßen „zu hoch“ ansetzen.
DerReisefotograf
Die Negative schauen gut aus, daran kann es nicht liegen. Du schreibst, dass du mit Vuescan arbeitest. Damit arbeite ich auch. Wie sehen denn deine Einstellungen aus, z.B. im Reiter "Filter"? Wo hast du denn da Haken gesetzt und wo nicht? Wenn ein Haken gesetzt ist bei "Farbe restaurieren/Ausbleichung beheben, kann dir das schon mal einen ganzen Scan versemmeln. Mit Haken werden die Negative doch recht dunkel und muss dann die Helligkeit wieder hoch setzen und wenn man dann die Häkchen wieder rausnimmt, wird das Bild zu hell. Kann sein, dass das bei dir passiert ist.
So habe ich es eben bei mir ausprobiert und konnte ein ähnliches Ergebnis, ein viel zu helles Bild provozieren.
?
Des Weiteren bin ich der Meinung, dass das Bild viel zu hell ist. Wo steht denn im Reiter "Farbe" denn dein Regler für die Helligkeit? Ziehe den doch mal ein wenig runter und schau, wie sich dein Bild verändert, ob es besser wird. Das gleiche kannst du mit Gradition hell/dunkel auch probieren.
Und aus irgendeinem Grund passen deine Standardeinstellungen nicht zu diesen Negativen.
Und welches Filmprofil in Vuescan verwendest du denn? Denn in Vuescan gibt es nur ein Ilford-Profil und das ist nur für den XP2. Du kannst aber das Profil für den Tri-X nehmen, die Filme sind sich ja recht ähnlich.
Ich bin ein wenig ratlos, vielleicht bist du ja auch aus Versehen an einen Regler in Vuescan gekommen und hast den verstellt? Kann unbemerkt schon mal leicht passieren.
Bearbeitest du deine Bilder nach dem Scan noch nach, z.B. in LR oder PS?
?
Ich persönlich habe mir abgewöhnt, in Vuescan alle Bilder mit denselben Einstellungen zu scannen. Ich passe jeden Scan individuell an, sowohl in Vuescan wie auch in LR und PS.
Ist für mich einfacher, da ich nie ganze Filme digitalisiere, sondern fast immer nur einzelne Bilder. Ich bin damit mittlerweile doch recht flott unterwegs. Und erhalte damit sehenswerte Bilder.
http://fc-foto.de/36558561
http://fc-foto.de/36357260
http://fc-foto.de/37751892
Ich habe mal drei Bilder aus der FC verlinkt.
Der letzte Abschnitt ist jetzt nur meine persönliche Meinung und erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit.
Ich hoffe, ich konnte helfen.
LG Tobias
Urnes
Du kannst dir auch in VueScan das Histogramm anzeigen lassen und dann die rechte Markierung für den Weißpunkt an die Kurve ranziehen. Ansonsten wie schon beschrieben. Da Bild in einem Bildbearbeitungsprogramm öffnen und in der Tonwertkorrektur Schwarz und Weißpunkt an das Histogramm ziehen. Fertig. Die Negative sehen ok aus.
Gruss Sven.
DerReisefotograf
Du kannst dir auch in VueScan das Histogramm anzeigen lassen und dann die rechte Markierung für den Weißpunkt an die Kurve ranziehen. ..........
Gruss Sven.
Das habe ich vergessen, ist auch eine Möglichkeit, für zu hell und flau.
grommi
"dann die rechte Markierung für den Weißpunkt an die Kurve ranziehen. ......."
?
Wenn man den Weißpunkt enger setzt, wird es ja nur noch heller ...... Das ist nur sinnvoll, wenn der Scanner den Weißpunkt nicht richtig erkannt hat und der Scan in den Lichtern zu dunkel ist. Und das macht Vuescan tatsächlich oft nicht ganz korrekt und ich setzte gerne den Weißpunkt auf 0.02 - 0.1. Hier sind aber die Lichter schon viel zu extrem.
?
Mit Filmprofilen komm ich überhaupt nicht klar und kann auch keinen Sinn darin sehen. Filmprofil für TriX? Wie lange in welchem Entwickler entwickelt? Und das sind nur 2 von vielen weiteren Variablen. Was soll das bringen außer Chaos? Ich nehme als Profil immer "generic" und beim Weißabgleich "Extremwerte automatisch". Damit fallen bei SW und Farbe meist ohne weiteres Tamtam brauchbare Scans aus dem Scanner. Mit ein paar wenigen Klicks in der Bildbearbeitung noch etwas Feinschliff, falls nötig, und die Haare sind geschnitten. Ja, es kann tatsächlich so einfach sein.
DerReisefotograf
€
Mit Filmprofilen komm ich überhaupt nicht klar und kann auch keinen Sinn darin sehen. Filmprofil für TriX? Wie lange in welchem Entwickler entwickelt? Und das sind nur 2 von vielen weiteren Variablen. Was soll das bringen außer Chaos? Ich nehme als Profil immer "generic" und beim Weißabgleich "Extremwerte automatisch". Damit fallen bei SW und Farbe meist ohne weiteres Tamtam brauchbare Scans aus dem Scanner. Mit ein paar wenigen Klicks in der Bildbearbeitung noch etwas Feinschliff, falls nötig, und die Haare sind geschnitten. Ja, es kann tatsächlich so einfach sein.
Das werde ich mal ausprobieren, ich habe mir einen etwas anderen Workflow ausgearbeitet. Hört sich gut an, bin da immer offen für neues.
TR
Ich vermeide es "radikal", das Scanprogramm als Bildbearbeitung zu nutzen. Viel besser eignen sich hierzu andere Programme, in meinem Fall Photoshop. D. h. ich scanne "roh" mit linearer Kurve, einem Gamma von 1 und ohne jegliche Filter. Dann habe ich eine 1:1-Digitalisierung meines Negativs, also eine "Nullkopie" und dieses wird dann in einer "richtigen" Bildbearbeitung verarbeitet / bearbeitet. Das empfehle ich jedem, der nicht unbedingt auf die Schnelle eine Vielzahl an brauchbaren Bildern direkt aus dem Scanprogramm benötigt (sondern sich wie im Labor Zeit für jedes Einzelbild nimmt).
DerReisefotograf
Ich vermeide es "radikal", das Scanprogramm als Bildbearbeitung zu nutzen. Viel besser eignen sich hierzu andere Programme, in meinem Fall Photoshop. D. h. ich scanne "roh" mit linearer Kurve, einem Gamma von 1 und ohne jegliche Filter. Dann habe ich eine 1:1-Digitalisierung meines Negativs, also eine "Nullkopie" und dieses wird dann in einer "richtigen" Bildbearbeitung verarbeitet / bearbeitet. Das empfehle ich jedem, der nicht unbedingt auf die Schnelle eine Vielzahl an brauchbaren Bildern direkt aus dem Scanprogramm benötigt (sondern sich wie im Labor Zeit für jedes Einzelbild nimmt).
So mache ich es auch, nur dass ich bei vuescan schon die Parameter verändere, wie Helligkeit, Weißpunkt, Gradiation dunkel/hell usw, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden bin. Erst dann kommt die weitere Bearbeitung in LR und CS und nur danach sind meine Bilder fertig. Ich bearbeite jedes Negativ, das mir geeignet scheint, einzeln. so wie es in der klassischen DuKa-Arbeit auch passieren würde. Denn meiner Meinung nach ist jedes Negativ anders, auch wenn es aus einer Serie stammt, und benötigt dem entsprechend seine eigene Bearbeitung.