MirkoBoeddecker
Aufgrund der aktuellen Situation bei der Kodak Fotochemie hier eine kleine Übersicht.
Was bisher geschehen ist:
Kodak hat im Zuge der Insolvenz 2012 seine Consumer Sparte ausgegliedert und als "Asset" (Vermögenswert) an seinen Hauptgläubiger (den Rentenfonds seiner ehem. Angestellten in Harrow/UK) übergeben.
Darin enthalten sind die Vertriebsrechte und Marken für alle Filme, Fotopapiere, Fotochemikalien, Fotokioske etc.
Der Rentenfonds hat sich sehr darüber gefreut noch etwas aus der Insolvenz zu bekommen und hat Alaris danach so verwaltet wie Beamte das eben so machen. Vermögensschonend, Riskoavers und wenig emotional um es mal vorsichtig zu formulieren.
2018 ist das ganze dann so in die Verlustzone verwaltet gewesen (obwohl man sich vor Bestellungen gar nicht retten konnte), dass das gesamte Konstrukt unter eine Art Schutzschirm des vereinigten Königreiches gestellt worden ist ( so eine Art Sonderverwaltung). Das war für die Verwalter natürlich toll, denn jetzt mussten sie gar keine Risiken mehr eingehen und konnten prima weiter verwalten, Geld fiel vom Himmel aus dem Steuersäckel wann immer sie einen Verlust produziert hatten.
Danach machten sie sich daran das ganze irgendwie los zu werden. In einer ersten Aktion wurde die Sparte Fotochemie, Farbpapier und Fotokioske 2020 and eine chinesische Holding namens Sino-Promise verkauft.
Das war gar keine so schlechte Sache, denn die Chinesen hatten bereits vorher zwei ehemalige Fabriken von Kodak in China übernommen, um Fotopapier zu konfektionieren.
Wir erhielten damals von Alaris einen Brief, dass die Sparte Fotochemie verkauft wurde und wir nichts mehr bestellen könnten. Farbchemie werde aber weiter in China hergestellt und könnte dann bald vom chinesischen Investor gekauft werden.
Da läuteten bei uns natürlich alle Alarmglocken (wie? was? Farbe und was ist mit Schwarzweiss?) und wir haben sofort damit begonnen Kodak Schwarzweisschemikalien zu re-engineeren und in unserer eigenen Produktion zu implementieren. Außerdem haben wir die Traditionsmarke D-76 registriert, da wir sie für "Systemwichtig" halten wie man heute so schön sagt, wenn etwas "gerettet" werden muss.
Sehr zu unserer Überraschung wurden dann aber nach 6 Monaten doch wieder Kodak S/W Chemikalien angeboten. Allerdings in schlechter Qualität was zu diversen Verwerfungen geführt hat.
Wir haben dann XT-3 als verbesserte Version von X-Tol herausgebracht, da bei diesem modernen Entwickler die größten Probleme aufgetaucht sind.
Sino-Promise hat das aber in den Griff bekommen und vorübergehend wieder Kodak Chemie in guter Qualität auf den Markt gebracht (wieder hergestellt von Tetenal).
Wir haben daraufhin die Kodak-Aktivitäten auf Sparflamme gebracht und uns darauf konzentiert alle unsere Chemikalien in unserer eigenen Fabirk zu implementieren, da die neue Tetenal eine sehr wackelige Kiste zu sein schien.
Im Dezember 2022 ist die Produtionsgesellschaft von Tetenal in die wohl endgültige Insolvenz gegangen. Damit fehlen dem Markt aktuell sämtliche Produktionskapazitäten für die Tetenal, Kodak und Ilford Chemikalien.
Seit Februar 2023 sind wir in der Lage das gesamte Sortiment an ADOX Chemikalien sicher im eigenen Hause herzustellen. Wir sind komplett unabhängig von allen anderen Akteuren.
Vor zwei Wochen wurde uns nunmehr mitgeteilt, dass Sino-Promise den Verkauf sämtlicher Kodak Fotochemikalien einstellt. Alle Bestellungen wurden storniert. Was das genau bedeutet, werden wir sehen- vielleicht kauft es ja jetzt ein anderer?
Wir geben auf jeden Fall Gas und werden, neben Xtol (XT-3) sofort auch noch D-76 auflegen.
Wie beim XT-3 in einer verbesserten Version: Boratfrei, besser löslich und mit Captura.
Ob wir in der Lage sein werden den gesamten Ansturm an zu erwartender Nachfrage über die kommenden Monate zu bedienen, kann ich noch nicht sagen. Wir fahren gerade die Automatisierung in der Abfüllung hoch und haben zwei neue Mitarbeiter eingestellt.
Es schadet in jedem Fall nicht sich über die kommenden Monate etwas mit Chemie zu bevorraten. Besonders bei der Farbchemie sind die Lücken schon da.
Wir tun was wir können.
Viele Grüße,
Mirko
MirkoBoeddecker
Man kann hier übrigens auch Fragen stellen oder kommentieren.
ChristianS
Mirko Boeddecker schrieb
Man kann hier übrigens auch Fragen stellen oder kommentieren.
Hallo Mirko,
Vielen Dank für den Einblick hinter die Kulisse. Das ist viel Wert bei den ganzen Clickbait Artikeln, die nur raten und das Internet überschwemmen.
Das Angebot, Fragen zu stellen, würde ich gerne annehmennund habe ich deshalb auch gerade erst registiert. Mir geht es um die Farbchemie, insbesondere hier das (wie es heutzutage den Anschein macht) ungeliebte Stiefkind E-6. Neben den von dir erwähnten Lieferanten, die du in deinem Eitrag erwähnt hattest, gibt es da noch Fuji Hunt und Bellini. Ich hatte beide für Hersteller gehalten, daher unbetroffen von der Insolvenz der Produktionsfirma hinter Tetenal & Co. Irre ich mich da?
Was ist deine Einschätzung zur Zukunft von E-6 allgemein und falls das zu weit über das eigentliche Thema des Threads hinausgeht, zur Verfügbarkeit dieser Entwickler?
Gruss
Christian
PS: Erwerbliche E-6 Teststreifen für Privatanwender wäre was feines. Man sheint nicht mal die üblichen 50er Packungen mehr zu bekommen.
Klaus_H
Hallo Mirko,
zur Kodak Chemie habe ich keine Frage, sondern eine Anmerkung zu einem ADOX Produkt, dem ATOMAL 49.
Wie Du in dem einleitenden Artikel dieses Threads schreibst, hat ADOX jetzt die vollständige Kontrolle und Fertigung der ADOX Photochemie im eigenen Haus. Respekt - was aus dem kleinen Berliner Fotoladen geworden ist!
ATOMAL 49 in seiner aktuellen Form zeichnet sich im angesetzten Zustand nicht durch seine Haltbarkeit und konstante Aktivität aus.
Das Problem mit dem Aktivitätsverlust der Chemikalie direkt ab Ansatzdatum, was bei 1+1 Verdünnung zu ständigen Entwicklungszeitverlängerungsfaktoranpassungen (tolles Wort) führt, ist lästig. Wird die Anpassung (Uwe Pilz hat hierzu einige Beiträge in Web verfasst) vernachlässigt, kann ein Film sehr schnell ruiniert werden. (Woher ich diese Erfahrung wohl habe ?)
Kurz gesagt: ATOMAL ist ein wichtiger Entwickler. Er hat eine Überarbeitung verdient, die ihn wieder so zuverlässig macht wie zur Zeit des 2 Komponenten-Ansatzes. Damals konnte der Entwickler auch noch nach 2 Monaten mit konstanten Entwicklungszeiten in der Verdünnung 1+1 genutzt werden und er lieferte über diese Zeit hinweg gleichbleibende Ergebnisse.
Beste Grüße,
Klaus
MirkoBoeddecker
Christian S. schrieb
Mirko Boeddecker schrieb
Man kann hier übrigens auch Fragen stellen oder kommentieren.
Hallo Mirko,
Vielen Dank für den Einblick hinter die Kulisse. Das ist viel Wert bei den ganzen Clickbait Artikeln, die nur raten und das Internet überschwemmen.
Das Angebot, Fragen zu stellen, würde ich gerne annehmennund habe ich deshalb auch gerade erst registiert. Mir geht es um die Farbchemie, insbesondere hier das (wie es heutzutage den Anschein macht) ungeliebte Stiefkind E-6. Neben den von dir erwähnten Lieferanten, die du in deinem Eitrag erwähnt hattest, gibt es da noch Fuji Hunt und Bellini. Ich hatte beide für Hersteller gehalten, daher unbetroffen von der Insolvenz der Produktionsfirma hinter Tetenal & Co. Irre ich mich da?
Was ist deine Einschätzung zur Zukunft von E-6 allgemein und falls das zu weit über das eigentliche Thema des Threads hinausgeht, zur Verfügbarkeit dieser Entwickler?
Gruss
Christian
PS: Erwerbliche E-6 Teststreifen für Privatanwender wäre was feines. Man sheint nicht mal die üblichen 50er Packungen mehr zu bekommen.
Sowohl Fuji als auch Bellini haben eigene Fertigungskapazitäten. Allerdings hat nur Fuji nach meiner Kenntnis eine REACH Zulassung für CD4.
Das bedeutet, dass nur Fuji nennenswerte Mengen an Farbchemie herstellen kann. Hier hinterlässt die Tetenal eine Lücke.
Für den Amateurmarkt könnte man aber wohl auch ohne Zulassung ausreichend viel herstellen.
Wir planen als nächstes C-41 Pulver.
Du hast übrigens Jobo vergessen. Die stellen das zwar nicht in Europa her, machen es aber für Euch verfügbar.
MirkoBoeddecker
Klaus_H schrieb
Hallo Mirko,
zur Kodak Chemie habe ich keine Frage, sondern eine Anmerkung zu einem ADOX Produkt, dem ATOMAL 49.
Wie Du in dem einleitenden Artikel dieses Threads schreibst, hat ADOX jetzt die vollständige Kontrolle und Fertigung der ADOX Photochemie im eigenen Haus. Respekt - was aus dem kleinen Berliner Fotoladen geworden ist!
ATOMAL 49 in seiner aktuellen Form zeichnet sich im angesetzten Zustand nicht durch seine Haltbarkeit und konstante Aktivität aus.
Das Problem mit dem Aktivitätsverlust der Chemikalie direkt ab Ansatzdatum, was bei 1+1 Verdünnung zu ständigen Entwicklungszeitverlängerungsfaktoranpassungen (tolles Wort) führt, ist lästig. Wird die Anpassung (Uwe Pilz hat hierzu einige Beiträge in Web verfasst) vernachlässigt, kann ein Film sehr schnell ruiniert werden. (Woher ich diese Erfahrung wohl habe ?)
Kurz gesagt: ATOMAL ist ein wichtiger Entwickler. Er hat eine Überarbeitung verdient, die ihn wieder so zuverlässig macht wie zur Zeit des 2 Komponenten-Ansatzes. Damals konnte der Entwickler auch noch nach 2 Monaten mit konstanten Entwicklungszeiten in der Verdünnung 1+1 genutzt werden und er lieferte über diese Zeit hinweg gleichbleibende Ergebnisse.
Beste Grüße,
Klaus
Hallo Klaus,
Die Pulverchemie stellen wir schon seit 2015 selber her. Damals hatte Calbe das eingestellt, weil ihnen das zu kleinteilig geworden war.
Das mit der Chemie-Herstellung sind auch nicht unsere größten Herausforderungen. Das Beschichten lichtempfindlicher Emulsionen ist viel komplexer.
Aber zurück zum Thema. ATOMAL 49 steht ganz oben auf der Liste für eine Rezeptverbesserung.
Viele Grüße,
Mirko
ChristianS
Mirko Boeddecker schrieb
Du hast übrigens Jobo vergessen. Die stellen das zwar nicht in Europa her, machen es aber für Euch verfügbar.
Stimmt. Ich hatte bei denen bis vor kurzem auf Grund des Herstellungslandes Japan vermutet, dass Fuji dahinter steckt. Als ich das Kit dann selbst in den Händen hielt wurde mir jedoch klar, dass hier völlig andere Mischungsverhältnisse als beim Fuji Kit verwendet werden und es wohl ein anderer Hersteller ist.
Gast
Das sind ja mal gute Nachrichten.
Mit Atomal, XT-3 und D-76 wäre mein kompletter Entwickler-Bedarf abgedeckt.
Wenn ihr jetzt noch einen 400er Rollfilm im Programm hättet, könnte ich auf andere Hersteller verzichten.
Grüße
Wolfgang
Klaus_H
Mirko Boeddecker schrieb
... Das mit der Chemie-Herstellung sind auch nicht unsere größten Herausforderungen. ...
ATOMAL 49 steht ganz oben auf der Liste für eine Rezeptverbesserung...
Hallo Mirko,
es ist gut zu lesen, das es mit Atomal vorangehen soll (vielleicht mit 'Deutschland-Tempo'? ).
ZumThema Filme stellen sich mir folgende Fragen:
- Wie ist der Stand der Rollfilm-Fertigung?
- Wird es einen infrarottauglichen Rollfilm von ADOX geben?
Beste Grüße,
Klaus
MirkoBoeddecker
Klaus_H schrieb
Mirko Boeddecker schrieb
... Das mit der Chemie-Herstellung sind auch nicht unsere größten Herausforderungen. ...
ATOMAL 49 steht ganz oben auf der Liste für eine Rezeptverbesserung...
Hallo Mirko,
es ist gut zu lesen, das es mit Atomal vorangehen soll (vielleicht mit 'Deutschland-Tempo'? ).
ZumThema Filme stellen sich mir folgende Fragen:
- Wie ist der Stand der Rollfilm-Fertigung?
- Wird es einen infrarottauglichen Rollfilm von ADOX geben?
Beste Grüße,
Klaus
Wir machen was wir können aber hoffentlich mit mehr als Deutschland Tempo. Das geht ja inzwischen eher rückwärts.
Zur Rollfilm Fertigung habe ich im anderen Forum etwas geschrieben.
Aber ja, der HR-50 soll auch als Rollfilm kommen (pseudo-Infrarot).
RudiausWien
Nur zur Info:
Ich habe betreffend der Zukunftsaussichten von Tetenal Colortec-C41 eine Anfrage an Tetenal geschickt und darauf am 17.04.2023 folgende Antwort erhalten:
"......es ist geplant die Produkte aus der Serie Colortec wieder ab Juni anzubieten."
Wenn ich mir den ausführlichen Eingangsartikel von Mirko (herzlichen Dank dafür!) durchlese kommen da bei mir aber gewisse Zweifel auf.
Offensichtlich war die Aktion bei Tetenal ja länger geplant, denn nun erschließt ja sich auch der Grund warum die Norderstedter Chemiewerke Mitte 2022 zu einer eigenen GmbH wurden; nämlich um sie in die Insolvenz gehen zu lassen ohne den Namen Tetenal 1847 wieder zu belasten.
LG Rudi
Klaus_H
Mirko Boeddecker schrieb
...
Aber zurück zum Thema. ATOMAL 49 steht ganz oben auf der Liste für eine Rezeptverbesserung.
...
Hallo Mirko,
tut sich da bereits etwas? ATOMAL wird auf der ADOX Homepage als 2 teiliger Ansatz beschrieben.
Auch die Haltbarkeit hat sich gemäß abgebildeter Atomal-Tüte auf 6 -8 Wochen verlängert.
Ist das noch Zukunft, oder ist es bereits Realität?
Beste Grüße,
Klaus
Kunibert
Vielen Dank für die Informationen über die aktuelle Lage bei den Herstellern der Fotochemie.
Mich würde zusätzlich noch interessieren, wie es eigentlich um Farbfilme steht.
Einige Meldungen im Internet und auch eine Presseerklärung von Fujifilm selbst lassen vermuten, dass die Produktion dort stillsteht.
Ferrania scheint nicht aus dem Knick zu kommen.
Wolfen/Orwo ist undurchsichtig und scheint auch eine wackelige Kiste zu sein.
Silberra? Solange die Russland Sanktionen bestehen, wird von denen vermutlich nicht bei uns auftauchen.
Bei vielen Film steht, dass sie derzeit gar nicht verfügbar sind. Und für noch vor kurzem billige Farbnegativfilme werden heute mindestens zehn Euro verlangt, mit steigender Tendenz.
Sind weitere Hersteller in Sicht und falls ja, zählen dazu welche, die nachhaltig eine stabile Qualität und Produktion gewährleisten können? Wie ist Adox in der Hinsicht aufgestellt?
Meines Erachtens sind einige billige Farbfilme nötig, um die analoge Fotografie auch eher einkommensschwachen jungen Leuten, also dem Nachwuchs, zu ermöglichen.
MirkoBoeddecker
Kunibert schrieb
Vielen Dank für die Informationen über die aktuelle Lage bei den Herstellern der Fotochemie.
Mich würde zusätzlich noch interessieren, wie es eigentlich um Farbfilme steht.
Einige Meldungen im Internet und auch eine Presseerklärung von Fujifilm selbst lassen vermuten, dass die Produktion dort stillsteht.
Ferrania scheint nicht aus dem Knick zu kommen.
Wolfen/Orwo ist undurchsichtig und scheint auch eine wackelige Kiste zu sein.
Silberra? Solange die Russland Sanktionen bestehen, wird von denen vermutlich nicht bei uns auftauchen.
Bei vielen Film steht, dass sie derzeit gar nicht verfügbar sind. Und für noch vor kurzem billige Farbnegativfilme werden heute mindestens zehn Euro verlangt, mit steigender Tendenz.
Sind weitere Hersteller in Sicht und falls ja, zählen dazu welche, die nachhaltig eine stabile Qualität und Produktion gewährleisten können? Wie ist Adox in der Hinsicht aufgestellt?
Meines Erachtens sind einige billige Farbfilme nötig, um die analoge Fotografie auch eher einkommensschwachen jungen Leuten, also dem Nachwuchs, zu ermöglichen.
Ich kann nicht über Wettbewerber sprechen aber über ADOX und über Farbfilme im allgemeinen. Nach meinem Kenntnisstand gibt es aktuell drei Hersteller weltweit, welche Farbemulsionen herstellen können:
Kodak in Rochester
Polaroid in Mohnheim (ehemals Inoviscoat, ehemals Agfa)
Fuji in Japan aber sie beschränken sich auf Sofortbildfilmverfahren wie Instax
Weitere Hersteller sind mir nicht bekannt.
Wir bei ADOX sind noch nicht so weit. Wann wir Farbfilme herstellen können und zu welchem Preis ist noch nicht sicher.
Mit relativer Sicherheit können wir den HELIOS ankündigen aber der basiert auch auf Rohstoffen einer Firma, welche keine Farbfilme mehr herstellt.
Aktuell stehen wir bei den Reifreihen neuer Emulsionen- der Weg ist noch weit.
Die Entwicklung und Herstellung eines Farbfilmes in der angesprochenen Konstanz und Qualität ist etwas für Firmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern.
So eine Firma ist bei dem heutigen Marktniveau und Lohnkosten in den G20 Staaten eine Illusion.
Ausnahmen existieren da, wo Firmen direkt das Erbe solcher größeren Firmen fortführen z.B. bei Polaroid die die Agfa Technologie weiter führen.
Ferrania hat (theoretisch) ebenfalls Chancen und wir haben sie auch. Ein angemessener Preis für einen Farbfilm in der umrissenen Qualität liegt bei heutigem Absatzniveau ungefähr bei 50 EUR. Das wäre der Preis, den man in jeder anderen Industrie für ein Produkt dieser Komplexität -bei gegebenen Absatzmengen- bezahlen müsste. Der Grund warum solche Preise bisher nicht eingefordert worden sind, lag in dem ruinösen Wettbewerb in der Branche im allgemeinen und zwischen Fuji und Kodak im besonderen mit dem Ergebnis, dass beide Firmen in ihren Filmsparten von der Substanz gelebt haben (Verschleiß des Humakapitals und Maschinenparks). Fuji hat dann schließlich aufgegeben und Kodak hat jetzt das Problem der Nachfrage nicht mehr Herr zu werden, da sowohl die Produktionsanlagen verschlissen sind als auch keine angelernten (Prozess dauert gut und gerne drei Jahre und mehr) Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. In der Zwischenzeit nähern sich die Preise erst einmal einem fairen Marktniveau an, was den verbliebenen Herstellern ermöglicht die notwendigen Investitionen zu tätigen. Wo sich dann (und wann) ein Gleichgewicht einstellen wird, müssen wir noch abwarten. Vielleicht liege ich mit meinen 50 EUR auch außerhalb der Realität aber wenn ich mir ansehe was mit Klobrillen oder Isolierstoffen verdient wird und welche Krumen die Fotoindustrie im Vergleich dazu einsammelt, dann stimmt da etwas nicht. Es gibt kaum noch Arbeitskräfte und wenn man welche haben möchte, muss man denen etwas bieten. Das geht nicht mit 5 EUR pro Film. Solche Preise gehen nur, wenn man vor hat recht bald den Laden abzuschließen.
Daher stimme ich nicht zu, dass es einen Notwendigkeit für weitere Billigfilme gibt.
Aktuell könnten wir schon 30 EUR für einen Farbfilm nehmen, wenn wir denn nur welche hätten.......
Kunibert
Nochmals danke für deine Infos, Mirko. Ohne die alte Technik der früheren Fotogiganten würde die analoge Fotografie insgesamt nicht funktionieren. Das betrifft nicht nur Herstellungstechnik für Chemie und Filme, sondern auch die Aufnahme- und Dunkelkammertechnik. Und die Sachen haben schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel.
Wenn die Produktionsprozesse mit allem Drum und Dran insgesamt so teuer sind, dass der im Vergleich zu früher viel geringere Absatz von Filmen, Chemie und Papieren nötige Umsatz fehlt, um einige gute und dennoch günstige Farbfilme anzubieten, stellt sich die Frage, welchen Einfluss das auf die Rekrutierung des Nachwuchses hat. Viele retrotechnisch interessierte Teenager und Studenten mit schmalem Geldbeutel werden sich den Spaß wohl nicht mehr leisten können. Und viele ältere steigen ebenfalls aus. In meinem Bekanntenkreis, zu dem einige Fotografen gehören, ist die Stimmung so, dass man noch die Filme aus dem Kühlschrank verbrauchen möchte. Aber wenn die weg sind, kaufen die sich keine neuen Farbfilme mehr. Stellt sich also die Frage nach der Perspektive für die analoge Fotografie insgesamt. Welche zahlungsfähigen/-willigen Kunden bleiben übrig und werden die nachhaltig den nötigen Absatz gewährleisten?
Apropos Geld. "Es gibt kaum noch Arbeitskräfte und wenn man welche haben möchte, muss man denen etwas bieten."
Polaroid sucht für Monheim derzeit Produktionsmitarbeiter für 40 Stunden pro Woche im Zweischichtbetrieb für 2600 € brutto. Davon bleiben bei Steuerklasse 1 und 2 ca. 1780 €. Wer für so einen Job dorthin zieht, wird als Miete für eine Zweizimmerwohnung mit ca. 65 qm dort kalt ca. 600-800 € bezahlen. Es kommen mindestens noch 250 € für Nebenkosten, Strom und Heizung hinzu. Da bleibt nicht mehr viel für andere Ausgaben übrig. Und dafür 40 Stunden im Zweischichtbetrieb zu arbeiten, wird viele wohl zum Abwinken verleiten.
Verständlich also, dass die Hersteller mehr Geld benötigen. Aber wenn die Preise so weit steigen, dass für viele das Praktizieren der analogen Fotografie zu teuer wird, brechen sie weg. Bei der Gratwanderung nicht daneben zu treten, ist für Hersteller und den Handel sicherlich schwierig, zumal niemand eine zuverlässige Glaskugel hat, die einen Blick in die Zukunft erlaubt.
Dieter_Wilhelm
Für mich (vielleicht auch andere) ist ein Chemiekit (C41 oder E6) im Ein-Liter-Format optimal.
Andere Frage ist die Verfügbarkeit vom T-MAX Entwickler.
Abgesehen von der Einfachheit der Benutzung, womit könne ich das ersetzen (Ilford DD-X?)
Auch das T-MAX Fixierbad (Entfernung des Rosaschleiers) wäre womit zu ersetzen?
Gruß Dieter
ChristianS
Mirko Boeddecker schrieb
Nach meinem Kenntnisstand gibt es aktuell drei Hersteller weltweit, welche Farbemulsionen herstellen können:
(...)
Fuji in Japan aber sie beschränken sich auf Sofortbildfilmverfahren wie Instax
Hallo Mirko,
heißt das, Fujifilm stellt tatsächlich keine Farbfilme mehr her? Ist die Info sicher? Man hört ja sonst nur Gerüchte dazu.
Gruß
Christian
RudiausWien
Dieter_Wilhelm schrieb
Für mich (vielleicht auch andere) ist ein Chemiekit (C41 oder E6) im Ein-Liter-Format optimal.
Andere Frage ist die Verfügbarkeit vom T-MAX Entwickler.
Abgesehen von der Einfachheit der Benutzung, womit könne ich das ersetzen (Ilford DD-X?)
Auch das T-MAX Fixierbad (Entfernung des Rosaschleiers) wäre womit zu ersetzen?
Gruß Dieter
In einem Beitrag im Mai hab ich berichtet, dass mir Tetenal auf eine Anfrage betreffend der Colortec Serie (C41,E6) geantwortet hat, dass der Liefertermin Juni 23 angepeilt wird. Die Antwort kam damals prompt (innerhalb 24h).
Ich habe dann vor ca. 3 Wochen wieder per Email nachgefragt und bis heute keine Antwort erhalten. Für mich scheint das so als ob man sich dort tot stellt oder bereits ist.
LG Rudi
ausJENA
Ist bei ADOX geplant, den alten HC110-Sirup auch nachzubauen und wieder auf den Markt zu bringen?
Gast
ausJENA schrieb
Ist bei ADOX geplant, den alten HC110-Sirup auch nachzubauen und wieder auf den Markt zu bringen?
Wozu?
Es gibt ja noch den Ilford HC und den Bellini Euro HC.
Obwohl der Preis von 74€ bei Ilford eine echte Unverschämtheit ist.
Mal ganz abgesehen davon, dass es heute wesentlich bessere Entwickler als den HC 110 gibt.