Rolf-Werner
Hallo,
mal eine generelle Frage: Wenn ihr Papier von der Rolle nehmt und größer als 50 x 60 werdet, wie handhabt ihr das mit der Entwicklung?
Habe vor langer Zeit mal den Tipp gesehen, das Papier links und rechts mit der Hand zu halten und hin- und herzupumpen, also linke Seite, rechte Seite... Aber vielleicht habt ihr ja sinnigere Tipps.
Rolf
AchimBauer
Hallo Rolf,
Im Prinzip weißt du es schon einfach hin und her, dabei erleichtert es, wenn das Papier länger abgeschnitten wird, damit man es anfassen kann, ohne Rapper ins Bild zu machen.
Vor langer, langer Zeit, als ich letztmal so riesen Bilder gemacht habe, habe ich die Entwicklungsschalen durch Kunststoffbalkonkästen ersetzt, latürnich ohne Abzugslöcher. Das spart Entwickler und der Flüssigkeitsspiegel ist höher.
Gruß Achim
Rolf-Werner
Ja, so in etwa hatte ich das auch im Kopf, dass ich das mal irgendwo auf einem Foto gesehen hatte, wie das einer machte. Auch mit so Kästen, aber auf Balkonkästen wäre ich nicht gekommen :)
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Ich hätte sonst noch so eine Idee gehabt mit einer Art Riesenrad, auf die man das Papier spannt, und das auch durch so einen höheren Kasten läuft. Mit dem Aufwickeln kann man ja viel Länge wegmachen. Aber wenn man das nicht so oft macht, ist die Handmethode wohl weniger aufwendig...
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Rolf
bernhardmangelsgmxde
meine mal irgendwo was von KG-Rohr und Rotationsentwicklung gelesen zu haben. (in einem DN 400 hätte, wenn ich das grad richtig im Kopf rechne, theoretisch über 1,2m in der Breite Platz, in der Länge praktisch unbegrenzt. Habe leider keine Erfahrung damit, denke, es könnte vielleicht schon problematisch sein, sehr große Formate ohne Knicken in so ein Rohr zu fummeln...
Rolf-Werner
Jou, DN400 ist auch schon ein ziemlicher Brocken, und die Gummis gehen sehr schwer drauf, aber ist ein Gedanke! Man könnte ja das Papier draußen draufnieten, dann wäre das wieder mit einem passenden Kasten verbunden, in dem die Chemie schwimmt. Durch die Stopfen könnte man die Achsen führen.
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Als ich mir das vorgestellt habe im Kopf, wie sich das anfühlt mit den großen Papierhälften in den Händen links und rechts, kam mir der Gedanke, dass das Papier vermutlich ziemlich schnell umknicken wird. Deshalb würde ich mir zwei Leisten basteln, um die Enden zu halten, damit man das Papier besser gehalten kriegt. Vielleicht sowas, wo man das Papier reinklemmt. Dann knickt es nicht um, und das Halten wird auch leichter und die Entwicklung bis zum Rand gleichmäßiger. Sowas wie diese Zeitungshalter.
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Rolf
Wolfgg
Hallo,
wer größere Mengen entwickeln will, für den geht Schale noch am schnellsten. Wer Platz hat, Dachlatten auf den Tisch, Teichfolie o.ä. drüber, und die Schalen sind fertig. Man kann auch mit nur 1 großen Schale arbeiten, dünnes Sperrholz, ein Rand aus Dachlatten, unten auch welche zur Versteifung, alles mit Epoxydharz (Bootsbeschichtung) chemiefest lackieren. Das Papier bleibt immer in der großen Schale, nur die Chemie wird durch Kippen gewechselt (jeweils aus kleineren Schalen und auch wieder zurück).
Gruß Wolfgang
bernhardmangelsgmxde
je nach Bedarf gibt es ja auch DN 315, gehen theoretisch noch Prints bis 90cm rein. Sonst: Chemie mit Schwamm auftragen sollte auch gehen, Wässern dann halt in der Badewanne o.ä.
Rolf-Werner
@namir: Schwamm hab ich auch mal gehört, fällt mir jetzt wieder ein. Aber ich fand immer, dass man da zu wenig Chemie pro cm² hat und das ungleichmäßig werden könnte. Probiert hab ich es - glaube ich - sogar mal, und zwar als ich noch keine so großen Schalen hatte. Kann mich aber nicht dran erinnern, was dabei rausgekommen ist.
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@Wolfgang: Dachlatten + Folie ist genial, speichere ich mal im Hinterkopf. Mit Epoxydharz hab ich noch nie was gemacht, wäre mal was neues, aber leuchtet mir ein. Jetzt fällt mir ein Link ein, den ich mal dazu posten könnte, ich hoffe, ich hab ihn noch... Nein, aber wiedergefunden, und das ist eine Datenbank mit Dukas, und die Suchergebnisse kann man nicht posten. Also mache ich einen Screenshot:
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Das ist doch da rechts eine Reihe selbst gebauter Schalen, ein größeres Format, vielleicht für bis zu 50 x 60 oder sogar mehr, und dann eine Platte, die man drüberklappen kann, damit es eine Arbeitsfläche wird. Pfiffig gemacht, nicht?
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Daran hat mich deine Idee mit dem Epoxydharz erinnert, obwohl das hier noch etwas anders aussieht. Sieht auch so aus, als wenn da Stöpsel drin sind zum Ablassen. Muss ja auch...
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Rolf
?
Wolfgg
Wenn man dann an der Platte unten noch Dichtgummis anbringt, z.B. die aus dem Baumarkt für Fenster, dann sind die Schalen bei heruntergeklappter Platte einigermassen luftdicht verschlossen und man kann die bei Arbeitspausen als Schutz vor Oxidation und Verdunstung schnell herunterklappen. Oder gar die Flüssigkeiten über Nacht drin lassen, falls man am anderen Tag gleich weiterarbeiten will.
Grüße Wolfgang
Rolf-Werner
Jau, gute Idee. Wäre sehr praktisch. Jetzt müsste man nur noch wissen, wie die sich das gebaut haben. Ich schau mal, ob ich da einen Ansprechpartner auftreiben kann, den ich mal fragen kann.
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Wusste doch, dass dir das gefällt... ;)
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Rolf
Morte
Es gibt eine Szene im Dokufilm "<span>War Photographer" über </span>James Nachtwey, in der man sieht, wie sein Printer einen sehr großen Abzug in der Duka bearbeitet. Den Ausschnitt kann man hier sehen:
https://www.youtube.com/watch?v=J0VPCHDqg7M
("An Afternoon in the Darkroom: Marc McClish prints for James Nachtwey")
Die Rolltechnik sieht eigentlich ganz einfach aus, ist aber sicher Erfahrungssache.
Rolf-Werner
Also, du meinst die Aufnahme, wo die Schrift drüber liegt?
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Sieht interessant aus, ja und auch etwas trickreich, da muss man sicher ein paar Mal für üben, bevor man sich damit an einen wichtigen Print traut. Aber scheint sehr effizient zu sein. Vielleicht die professionellere Alternative zu meiner ursprünglichen Idee.
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Toll!
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Rolf
Wolfgg
Das wird nur mit Rollenpapier gehen, in dem Video wird auch solches benutzt, wie man am eingebauten Drall sehen kann. Vielleicht lässt sich aber Blattware durch lange Lagerung in gerolltem Zustand ähnlich "erziehen".
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Grüße Wolfgang
Rolf-Werner
Ach so, ich dachte aber sowieso an Rollen bei der Frage.
Rolf
Sandra
Spannend fand ich im Film "Lichtmomente" mit Björn Albert, wie er das macht (dürfte bei den meisten Leuten eher nicht durchführbar sein), aber schaut euch den Film selbst an:
http://www.ba-ap.com/lichtmomente.php
Bei ca. 19:15 min geht es los mit dem Entwickeln.
Wolfgg
Hallo Sandra,
der ganze Film ist sehenswert. Er hat wohl einen Raum als "Entwicklerschale" mit Fliesen versehen lassen. Und mit dem nassen Fotopapier geht er recht mutig um, einmal stützt er sich sogar mit der Hand darauf. Als Negativ benutzt er 4x5", auf 2 Meter aufgeblasen ergibt einen Vergrößerungsmaßstab von 16 (200/12,5), da muss wirklich alles stimmen, wenn das Endergebnis handwerklich astrein sein soll.
Gruss Wolfgang
Rolf-Werner
Jau, macht wirklich Spaß, ihm zuzusehen bei seinem... "Werk", "Schaffensprozess" :)
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Und das war Baryt! Leider haben sie nicht gezeigt, wie er das platt und trocken gekriegt hat.
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Er spricht davon, dass er ein bisschen Zeit draufrechnet beim Entwickeln, damit ihm die Lichter nicht zulaufen, wenn es länger dauert. Das macht sicher Sinn. Aber ich hätte nicht gedacht, dass das Bild von einer Seite zur anderen fertig wird, ich hätte mit gleichmäßigeren Ausentwicklungen gerechnet. Vielleicht mit kleinen unregelmäßigen Stellen zunächst, aber insgesamt nicht "von unten nach oben", so wie es hier schien. Und dieser Wischmob! Und seine artistischen Übungen über dem Bild! Herrlich!
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Leider sieht das hinterher keiner, wieviel Akribie in so einem Foto steckt. Heute wird man wohl eher gefragt "auf was für einem Plotter hast du das denn ausgedruckt?" ...
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Rolf
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Noch was: Gestern Abend hatten wir hier in Osnabrück die jährliche Kulturnacht. Riesenevent, alle Galerien, Kunstläden, Cafés, Restaurants, Kneipen waren die Nacht über offen und viele Vorstellungen usw. Es gibt in der Altstadt eine kleine Galerie, die Nachfolgerin des Fotografen Lichtenberg ist, der um 1900 viele Fotos der Stadt gemacht hat. Sie hatten viele seiner Bilder ausgestellt, auch "misslungene" Abzüge usw., und man konnte mit dem Besitzer diskutieren, wie er diese alten Glasplatten abzieht. Er macht das immer noch analog und hat sich dafür von den meisten Glasplatten erst ein Dia und davon ein Negativ gezogen, um die Kontraste auszugleichen. Trotzdem muss er immer noch stark ausgleichen.
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Er hatte ein paar Bögen Kentmere Baryt da und bedauerte, dass es das so nicht mehr gibt. Es war fast flauschig und passte sehr gut zu den alten Bildern. Dann hat er noch ein bisschen vom Tonen erzählt, wie es darauf ankommt, welche Sorte Papier man hat, um den richtigen Braunton zu finden. Einmal wollte eine Firma Bilder in genau dem gleichen Braunton, wie sie schon Bilder von ihrer Firma hängen hatten. Er hat ein halbes Jahr experimentiert, bis er den Ton hingekriegt hat...
Rolf-Werner
Mir fällt noch was ein, was auch zum Thema passt: In dem Video sieht man, dass er in seiner Duka eine Art Überwanne hat, in der alle Schalen stehen. Das finde ich interessant, vielleicht baue ich mir auch sowas.
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Und es erinnert mich wieder an meinen Beitrag mit der schwedischen Dunkelkammer mit den fest eingebauten Schalen. Einer von dem Club hat mir inzwischen geantwortet. Er schreibt, das ist schon lange vor seiner Zeit eingebaut worden, und es wusste keiner mehr, ob das Selbstbau oder gekauft ist. Es ist aber PVC. Die Arbeitsfläche ist aber furchtbar hoch, wenn man sie runterklappt, man kann sie nur im Stehen verwenden. Für alle Fälle hat er mir einen Link gegeben zu einem Selbstbauprojekt für eine PVC-Wanne, wie sie hier im Video auftaucht. Erst dachte ich, wozu ist das gut, aber jetzt durch das Video wurde mir das erst richtig klar.
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Es hat aber dann doch nicht direkt mit den großen Formaten zu tun, außer man stellt da z. B. die Blumencontainer rein... :)
Renate
Ich habe jahrelang in einem Labor gearbeitet, in dem ich 4 solcher fest eingebauten Wannen aus PVC hatte. Das ist sehr praktisch. Die Reinigung nach dem Arbeiten ging schnell und sauber vonstatten. Gewässert habe ich immer direkt in einer solchen Wanne. Es gab Stopfen, bei denen das Bodenwasser bevorzugt ablief. Die Einrichtung war gekauft.
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In solchen Becken kann man bequem große Formate mit einem Schwamm entwickeln. Mit einem Schwamm kann man überraschend gleichmäßig entwickeln, oder aber bewusst unregelmäßig arbeiten, was bei manchen Kompositionen durchaus interessant aussehen kann.
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Viele Grüße
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Renate