Morte
Hallo zum Ostersonntag,
in Ermangelung von Eiern möchte ich heute zum ersten Mal Bilder tonen. Vor mir steht eine Flasche Adox Selentoner. Bevor ich mich ans Experimentieren mit verschiedenen Zeiten und Verdünnungen wage, möchte ich aber erst noch zwei Fragen stellen:
Es gibt da eine Diskrepanz zwischen der Flaschenbeschriftung und dem Text im Fotoimpex-Shop. Auf der Flasche steht:
In der Verdünnung 1+5 wird gleichzeitig eine Steigerung der Maximalschwärzen erzielt.
Verdünnung zur Tonung: 1+10 bis 1+25
Verdünnung zur Bildstabilisierung: 1+50 bis 1+200
Im Shop liest man:
zum Tonen 1+20 bis 1+50
nur zur Bildstabilisierung 1+100 bis 1+400
Mich interessiert vor allem die Tonung und die Steigerung der Maximalschwärzen. Aber wie nun beginnen: 1+5, oder 1+10, oder 1+20? Und findet in den zwei letzteren Verdünnungen keine Steigerung der Schwärzen statt? Und was ist mit 1+5, tont das etwa nicht, wie auf der Flasche impliziert? Oder wie jetzt?
Die zweite Frage ist ganz kurz: Wie ergiebig und haltbar ist so eine verdünnte Mischung? Ich nehme an, man entsorgt sie nicht nach nur einmal tonen.
Ich freue mich über aufklärende Antworten! Danke!
Morte
Wolfgg
Hallo Morte,
sind alle noch beim Eiersuchen.
Im Zweifel gilt das, was auf der Flasche steht.
Nimm einfach ein kleines entwickeltes Testschnipsel Papier mit vollem Schwarz, setze wenig Lösung mit 1+5 an, halte das Schnipsel nur zur Hälfte nach Anleitung hinein, wässern, trocknen und Wirkung prüfen. Dann Lösung verdünnen auf 1+10 und gleiches mit weiterem Schnipsel. Ggf. noch weiter verdünnen. Dann weißt ganz genau, was Dir gefällt und zu Deinem Papier passt.
Angesetzte Lösung hält Jahre. Verbraucht ist sie dann, wenn sich die Tonungszeit auffällig verlängert.
Gruß Wolfgang
piu58
Ich benutze 1+10. Damit kann man die Maximalschärze deutlich vertiefen. Die Stärke der Wirkung lässt sich durch die Tonungszeit beeinflussen, je nach Papier zwischen 30 Sekunden und 5 Minuten. Selentoner hält ewig (Jahre).
ultra8
Ich benutze Selentoner in der Verdünnung 1+20 bis 1+40. Aktuelle Papiere lassen sich zwischen 30 Sekunden und 2 Minuten im Kontrast beeinflussen, sprich die Schwärzen nehmen zu. Es bleibt aber noch genügend Luft zum Schwefeltonen.
Morte
Zu nächst einmal vielen Dank für die Antworten.
Ich habe jetzt begonnen, mich mit Verdünnung 1+5 an die Sache ranzutasten. Mein erster Eindruck ist, dass Fomabrom, welches ich verwende, relativ wenig auf den Toner reagiert. Da ich gelesen habe, dass auch der Entwickler eine Rolle spielen soll, habe ich Abzüge verwendet, die ich mit Adotol Konstant, Neutol WA und Neutol NE entwickelt habe. Vergleichen werde ich morgen, wenn alles getrocknet ist.
Ein Versuch mit Fomatone (PE) brachte recht heftige Ergebnisse, was nicht verwundert. Ein dunkelschokoladiger Ton, immerhin schöner als das ewige Sepia.
Auf der Flasche sind Vorschläge für Warmton- und für Kalttonpapiere zu lesen. Das Fomabrom ist nun keines von beiden. Da steht man nun da. Das stört auch an diversen anderen Stellen: Die meisten Papiere zum Beispiel bei Fotoimpex, aber auch woanders werden als Neutraltonpapiere beschrieben. Nur selten stößt man auf ein wirkliches Warm- oder Kalttonpapier. Da ist es verwunderlich, dass gerne so unterschieden wird bei Entwicklern usw. ...
Insgesamt hätte ich mir etwas mehr Dokumentation in der "Gebrauchsanweisung" gewünscht, denn beim Erstversuch gerät man doch ziemlich ins Schwimmen, erst recht, wenn die oben genannten Diskrepanzen auftreten in der Beschreibung. Sicher kann und soll man keine Rezepte für jedes Papier erwarten, aber es ist schon recht dürre, was da auf der Flasche steht. Immerhin ist das nicht nur ein Fixierbad oder so.
Genug des Gegrummels: Ich bin gespannt auf den Vergleich morgen.
Schönen Abend noch usw.
Morte
piu58
> es ist schon recht dürr, was da auf der Flasche steht
Da gibt es aber wirklich nicht viel zu sagen. Die Tonwirkung hängt eben vom Papier und von der Zeit ab, und das sieht man dann ja. Was soll man da noch mehr Worte machen?
Zu den Papieren: Warmtonpapiere sind feinkörnig, also ein Pendant zum niedrigempfindlichen Film. Die Silberkörner haben ein viel größere Oberfläche und sind deshalb dem Tonverfahren viel stärker zugänglich. Normale Papiere und besonders PE-Papiere bekommen nur wenig Wirkung ab: Die Schwarzen werden etwas tiefer, etwa eine halbe Kontraststufe und der Bildton wechselt nach leicht violett, was man meist nur im direkten Vergleich sieht. Warmtonpapiere wechseln von Violett in Richtung Braunrot, das ist sehr deutlich.
TR
Ich nutze ebenfalls diesen Selentoner für mein Fomabrom-Papier.
Eine Erhöhung der Maximalschwärzen lässt sich nur marginal erreichen. Um so etwas feststellen zu können, muss man sich schon zwei (getrocknete!) Stückchen Papier längere Zeit im Licht betrachten. Im nassen Zustand sieht dies noch anders aus, aber das Fomabrom "zieht" beim Trocknen an. Auch der Grünstich, welcher bei einem Warmtonentwickler auftreten kann, verschwindet beim Trocknen zu einem großen Teil. Durch den Selentoner wird besagter Grünstich vollends neutralisiert.
Als Tonung im Sinne einer Farbverschiebung ist Selentoner bei Neutraltonpapieren wie das Fomabrom sicherlich nicht zu gebrauchen. Wer möchte schon magentafarbene Bilder?
Sehr schöne Ergebnisse gibt es aber beim "Lithen". Hier benutze ich das alte Orwo-Papier. Das gelbliche Ocker verwandelt sich im Selentoner in ein recht schönes Braun. Hier "ziehen" die Schwärzen auch klar an.
Ich hatte keine Unterschiede bei verschiedenen Verdünnungen und Temperaturen machen können: Je höher verdünnt, desto länger dauert der Prozess. Ich verdünne 1+29 - da braucht mein Fomabrom ca. 2 Minuten bevor der grässliche Magentastich einsetzt. Diese Lösung hält vielleicht zwei Wochen. Danach muss ich eine neue ansetzen.
Gruß,
Thomas
michael-kielgmxnet
Wenn du wirklich eine deutliche Erhöhung der Maximalschwärzen erreichen willst, ist Goldtoner die bessere, aber auch teurere Wahl. Damit bekommt man mit jedem Papier ein tiefes, kühles Schwarz hin. Warmtonpapiere und Lithprints bekommen einen blauschwarzen Ton.
Selentoner verwende ich nur, um die Haltbarkeit von Prints zu verbessern und um dem Fomatone den Grünstich auszutreiben. Dazu tone ich in Verdünnung 1+15 so ungefähr 1 bis 2 Minuten lang.
Morte
Hallo allerseits,
ich habe eben die Ergebnisse verglichen und bin ziemlich zufrieden. Da ich vom Selen-Tonen weder Weltwunder noch eine krasse Farbverschiebung erwartet und gewollt habe, kann ich schon sagen, das erreicht zu haben, was ich (ungefähr) mir vorstellte. In der Verdünnung 1+5 haben mir die Ergebnisse bei 2 min mit dem Fomabrom-Papier am besten gefallen. Ich bilde mir ein, dass die Schatten bei den mit Adotol Konstant entwickelten Abzügen etwas "tiefer" und satter sind als die mit Neutol WA/NE behandelten. Das kann aber täuschen, zumal ich jetzt auch ein anderes Objektiv verwende und die Entwicklungszeit von 2 auf 3 min (bei Anpassung der Belichtung, klar) erhöht habe.
Fakt ist jedenfalls:
- Die Schwärzen wurden vertieft
- der Kontrast dadurch gesteigert, ebenfalls der Lokalkontrast, was ich sehr schön finde, plus einem leicht gesteigerten Schärfeeindruck
- der Bildton bei 2 min geht, je nach Lichtquelle, ganz leicht ins Rötlich-braun-magenta-farbene (klingt unlogisch, finde aber keine anderen Begriffe), ist aber angenehm für meinen Geschmack.
Die genaue Badezeit kann man natürlich je nach Geschmack und Motiv noch anpassen, ich werde jetzt von 2 min ausgehen.
Noch kurz zu Pius Einwurf:
Klar hast du recht, man muss probieren. Auf jeder Flasche Fixierer aber stehen schon genauere Angaben zu Verarbeitung und vor allem Wässerung, und das erwarte ich auch hier. Denn immerhin setzt man den Abzug einer neuen Chemikalie aus und sollte über deren Wirkung und Grenzen informiert werden. Immer noch unklar ist mir nämlich:
- wie lange muss man nach einem Selenbad wässern?
- macht es einen Unterschied bei der Wässerungszeit, ob man einen sauren, neutralen oder alkalischen Fixierer benutzt vorher?
- muss man fließend wässern oder stehend?
- spielt die Temperatur eine Rolle?
Da Selentoner ja auch gerade zur Steigerung der Haltbarkeit genutzt wird, sind das wichtige Details, die ich auf so einem Waschzettel/Etikett erwarte.
Ansonsten will ich jetzt aber kein Meckerer sein, sondern freue mich über eine neue Erfahrung und verbesserte Bilder. Vielleicht kann der eine oder andere ja meine offenen Fragen noch beantworten.
Dank und Gruß
Morte
piu58
> wie lange muss man nach einem Selenbad wässern?
Es muss ganz normal gewässert werden, wie nach dem normalen Fixieren auch. D.h. Barytpapiere brauchen die volle Wässerungsorgie, PE ist ja viel genügsamer.
Vor dem Tonen muss übrigens auch sehr gut gewässert werden, da nicht ausgewaschenes Silber-Thiosulfat auch dunkel tont und Schleier erzeugt.
Morte
Es muss ganz normal gewässert werden, wie nach dem normalen Fixieren auch. D.h. Barytpapiere brauchen die volle Wässerungsorgie, PE ist ja viel genügsamer.
Vor dem Tonen muss übrigens auch sehr gut gewässert werden, da nicht ausgewaschenes Silber-Thiosulfat auch dunkel tont und Schleier erzeugt
Aha, dann bleibt das Papier ja ewig im Wasser. Ich benutze den Rollei-RXN-Neutralfixierer, weil ich damit die übliche Wässerungszeit halbieren kann. Das wird ja damit hinfällig, oder?
Dann ist es evtl. besser, ich mache meine Routine wie gehabt und schiebe ab und zu einen Selentonungs-Tag ein, an dem ich dann die gesammelten und getrockneten Abzüge einweiche und tone. Der Vorteil der verkürzten Wässerung soll ja nicht nur Zeit- und Wasserersparnis sein, sondern auch verhindern, dass sich das Papier allzu sehr verzieht.
TiMo
Hallo Morte,
du schreibst
- der Bildton bei 2 min geht, je nach Lichtquelle, ganz leicht ins Rötlich-braun-magenta-farbene (klingt unlogisch, finde aber keine anderen Begriffe), ist aber angenehm für meinen Geschmack.
Bei mir geht aber die Schwärzung wieder zurück, wenn eine Tonung einsetzt. Ist das bei dir nicht so?
Timgruss
TR
Vor dem Tonen muss übrigens auch sehr gut gewässert werden, da nicht ausgewaschenes Silber-Thiosulfat auch dunkel tont und Schleier erzeugt
Ich habe schon erlebt, dass sich ockerfarbene Punkte bzw. Flecke auf dem Abzug bilden, wässert man vor der Selentonung nicht ausreichend. Wässert man nahezu gar nicht bzw. nur ca. 5 Min., färbt sich zumindest das Fomabrom in Richtung "Elfenbein". Dann sieht es aus wie eines dieser seltsamen Warmtonpapiere mit eingefärbtem Träger. Dies könnte man vielleicht für entsprechende Effekte nutzen.
Der Vorteil der verkürzten Wässerung soll ja nicht nur Zeit- und Wasserersparnis sein, sondern auch verhindern, dass sich das Papier allzu sehr verzieht.
Ich glaube nicht, dass eine um vielleicht 50% reduzierte Wässerungszeit eine Verbesserung der Planlage beim Trocknen bewirkt, wenn man davon ausgeht, dass eine "normale" Wässerungszeit von Barytpapier ca. 50 Min. beträgt.
piu58
> Wässert man nahezu gar nicht bzw. nur ca. 5 Min., färbt sich zumindest das Fomabrom in Richtung "Elfenbein"
Das isses! Der Träger enthält noch Silberthiosulfat und wird gefärbt.
bernhardmangelsgmxde
Vor dem Tonen muss übrigens auch sehr gut gewässert werden, da nicht ausgewaschenes Silber-Thiosulfat auch dunkel tont und Schleier erzeugt
Ich habe schon erlebt, dass sich ockerfarbene Punkte bzw. Flecke auf dem Abzug bilden, wässert man vor der Selentonung nicht ausreichend. Wässert man nahezu gar nicht bzw. nur ca. 5 Min., färbt sich zumindest das Fomabrom in Richtung "Elfenbein". Dann sieht es aus wie eines dieser seltsamen Warmtonpapiere mit eingefärbtem Träger. Dies könnte man vielleicht für entsprechende Effekte nutzen.
Der Vorteil der verkürzten Wässerung soll ja nicht nur Zeit- und Wasserersparnis sein, sondern auch verhindern, dass sich das Papier allzu sehr verzieht.
Ich glaube nicht, dass eine um vielleicht 50% reduzierte Wässerungszeit eine Verbesserung der Planlage beim Trocknen bewirkt, wenn man davon ausgeht, dass eine "normale" Wässerungszeit von Barytpapier ca. 50 Min. beträgt.
... habe jetzt nur wenig Erfahrung mit Baryt, aber meine genau das beobachtet zu haben. Also zwei Abzüge hintereinander gemacht, dann gemeinsam gewässert, der zweite Abzug war plan, der erste wellig am Rand. die Zeiten waren ~ in den Größenordnungen, also der erste Abzug 20-30 Minuten länger im Wasser als der zweite, Wässerung (mit 8 fachem Wasserwechsel) ebenfalls in etwa so lange.
Aber wie gesagt: Habe nicht die empirische Basis, dass ich auf die Aussage jetzt meinen Kopf verwetten würde.
Morte
Bei mir geht aber die Schwärzung wieder zurück, wenn eine Tonung einsetzt. Ist das bei dir nicht so?
Timgruss
Hallo Tim,
nein, das habe ich so nicht beobachtet.
- Beim Fomabrom (Baryt) waren die Schwärzen bei 2 min trotz wahrnehmbaren Tonumschlags tiefer als beim ungetonten Abzug. Allerdings hat der Abzug jetzt keine andere Farbe angenommen. Man könnte es eher als "Stimmungsänderung" hin zu wärmeren, tieferen Schatten bezeichnen. Die Lichter betrifft das nicht, die hellen Grauwerte schon.
- Beim Fomatone (PE) ging alles viel schneller. Hier war nach 30 Sekunden zunächst eine "Entfärbung" weg vom grünlichen Grundton zu mehr oder weniger neutralem Schwarz bei vertieften Schwärzen zu sehen. Nach 2 min hatte sich alles sehr deutlich und für meinen Geschmack zu stark ins rost-/schokoladenfarbige verschoben, hier haben die Tiefen tatsächlich nachgelassen. Nach 5 min war das nicht großartig verschieden, die wirksamste Änderung fand also zwischen null und 30 Sekunden (Neutralisierung/Vertiefung der Schatten) und dann zwischen 30 Sekunden und 2 Minuten (starke Einfärbung, Nachlassen der Schatten) statt.
Natürlich ist aber das Fomatone ein völlig anderes Papier als das Fomabrom, zusätzlich zum unterschiedlichen Träger.
piu58
Bei Warmtonpapier ist es mir genau so gegangen. Zuerst eine zunehmende Schwärzung, Umfärbung Richtung Aubergine, und nach etwa 1-2 Minuten begann sich das Bild Richtung braunrot zu Verfärben, bei gleichzeitiger Aufhellung der Schatten. Für solches Papier lohnt es sich gewiss, den Toner stärker zu verdünnen, damit man mehr Zeit zur Steuerung hat.
TR
Beim Fomabrom (Baryt) waren die Schwärzen bei 2 min trotz wahrnehmbaren Tonumschlags tiefer als beim ungetonten Abzug.
Im nassen Zustand ist eine "Vertiefung" der Schwärzen auffallend und man freut sich. Beurteile aber mal die beiden Testschnippel (getont / ungetont) im trockenen Zustand, wird man folgendes feststellen: Zumindest beim Fomabrom wird sich der Grad der Schwärzung nur marginal unterscheiden. Bei einem Warmtonpapier (irgendwas von Rollei - "Vintage") war der Unterschied auch im trockenen Zustand auffallend. Aber das Fomabrom erreicht auch ohne Toner eine hohe Maximalschwärze - nur eben erst beim Trocknen. Hier ist mit Selentoner - zumindest, wenn man das Papier keinen
Magentastich verpassen möchte - kaum noch eine "Vertiefung" der Schwärzen bzw. eine Erhöhung des Lokalkontrastes möglich. Dies sind meine Testerfahrungen (Entwickler war Neutol W bzw. ein Nachbau "Adotol WA").
Grüße,
Thomas
Morte
Hallo T.R.,
das kann ich nicht bestätigen. Ich habe alle Testschnipsel bzw. Abzüge in getrocknetem Zustand mit den ungetonten verglichen und bin zu meinen Ergebnissen gekommen. Die Unterschiede waren schon deutlich.
Ich habe Abzüge getont, die mit Adotol konstant, Neutol NE und Neutol WA entwickelt wurden.