StefanT
Hallo Zusammen,
zunächst einmal möchte ich mich euch gerne vorstellen, da ich neu im Forum bin. Manche werden mich aber vielleicht noch aus dem Phototec-Forum kennen, indem ich mal ein klein wenig mitgeschrieben hatte.
Ich fotografiere seit meiner Jugendzeit, also seit mittlerweile etwa 35 Jahren, wechselweise analog (meine Liebe) und auch digital (wenn's bequem und zeitsparend sein soll). Schwarzweiß ist in den letzten Jahren arg zu kurz gekommen, da ich eine eher unpraktische Duka im Keller eines Mehrfamilienhauses ohne Wasseranschluss habe. Macht eher wenig Spaß so. Aber es soll wieder mehr werden. Ich fotografiere überwiegend mit einer Olympus OM-1n und manchmal mit meiner geliebten Vitomatic IIa. Immer mal wieder auch im MF. Da habe ich mehrere TLRs über die Jahre gekauft und wieder verkauft. Es zieht mich aber immer wieder zurück. Aktuell habe ich eine Rolleicord Vb erworben, die fast neu aussieht. Einen ersten Film soll sie die nächsten Tage sehen, wenn's wieder etwas mehr Licht und offenes Wetter gibt. Was ich so schon sagen kann, die langen Verschlusszeiten sind, wie erwartet, etwas träge. Nach eifrigem Auslösen wurde es besser, weiß aber nicht, wie verlässlich die Zeiten sind. Zweiter "Mangel": der Vorbesitzer hat ein paar kleine Markierungen mit Filzstift auf der Mattscheibe angebracht, vielleicht für den 28x40-Ausschnitt. Die dazugehörige Schaltung war auch mit dabei.
Jetzt meine Fragen:
Ich brauche die langen Zeiten nicht unbedingt oft, aber möchte doch gerne wissen ob ich erwarten kann, dass der Verschluss wieder "in Gang" kommt oder ob eine Wartung unerlässlich sein wird. So wie ich es verstanden habe, betrifft der Fehler ohnehin nur die langen Zeiten oder kann es sein, dass mich der Verschluss ganz verlässt?
Zweitens, könnt ihr mir im Falle einen guten Service für die Cord empfehlen?
Und drittens, kann ich die Filzstiftmarkierungen auf der Mattscheibe gefahrlos entfernen, also ohne die Mattscheibe zu ruinieren, und wenn ja, womit? Geht tupfen mit Alkohol und Wattestäbchen?
Vielen Dank im voraus schonmal.
Stefan
piu58
> "in Gang" kommt
Die Zeiten werden auf Dauer etwas langsamer sein. Man kann sich aber darauf einrichten und dies beim Belichten berücksichtigen. Die Sekunde sollte aber zumindest durchlaufen und nicht steckenbleiben.
Immer mal betätigen! Damit es nicht schlimmer wird.
Gucker
Mit Ethanol sollte sich bei den Filzstiftmarkierungen etwas machen lassen; greift das Glas ganz sicher nicht an und wenn's nicht funktioniert ist auch nichts verloren.
Urnes
Der Verschluss ist verharzt und lässt sich in der Regel warten (reinigen und schmieren). Bei einem Großformat-Zentral-Verschluss kostet das so um die 70-80 €uro. Wenn die Cord in schönem Zustand ist, lohnt sich das in jedem Fall.
Gruss Sven.
Gast
Ich habe meine Rolleiflex Kameras entweder hier:
Paepke Fototechnik Inh. Dieter Paepke
Rather Broich 57
40472 Düsseldorf
http://www.paepke-fototechnik.de/
oder hier warten lassen:
Jürgen Kuschnik
Landgraf-Philipp-Strasse 55
60431 Frankfurt am Main
Germany
http://www.jurgenkuschnik.com/index_de.html
Das Problem mit den Filzstift-Strichen auf der Mattscheibe hatte ich auch mal.
Ging mit normalem Spiritus rückstandsfrei ab.
Grüße
Wolfgang
StefanT
Hallo und Danke für die Tipps. Der Filzstift ist jetzt ab. Ging mit Alkohol ganz einfach. Und nachdem ich jetzt fast wunde Finger vom Aufziehen und Auslösen habe, schnurrt die Sekunde ganz hübsch. Ich lass das erstmal so und schau, wie es sich entwickelt. Die Servicelinks habe ich gespeichert, für alle Fälle. Jetzt brauche ich nur noch etwas mehr Licht. Habe noch zwei Portra 160VC rumliegen, die für erste Fotos dran glauben müssen. Aber dafür isses grad etwas trüb hier.
Viele Grüße, Stefan
Tandemfahren
Hallo Stefan,
mit CN-Film wirst du aber kaum merken können, ob die Zeiten zu lang sind, das ist dem Film ziemlich wurscht (im Vergleich zum Dia jedenfalls), außer natürlich es fehlt so richtig saugrob.
Es gibt außerdem zwei Fehlerquellen: den Verschluss selber und das Hemmwerk, das bei Zeiten länger als 1/30 zum Einsatz kommt.
Viel Spaß mit der Cord,
Frank
peterkrumm
...Zweitens, könnt ihr mir im Falle einen guten Service für die Cord empfehlen?...
in Braunschweig:
http://classic-fototechnik.de/
sehr zu empfehlen!
Gelegentlich sollte man dem Alteisen ruhig mal eine Wartung gönnen.
StefanT
Hallo Frank und peterk,
mit dem Hinweis auf den CN-Film hast du natürlich recht. Aber ich möchte die Cord einfach erstmal ausführen. Bei der nächsten Verbrauchsmaterialbestellung wird auch ein Diafilm dabei sein. Der wird mehr Klarheit bringen. Dank Dir für die guten Wünsche.
Danke Peter für die Adresse. Auch der Link wird gespeichert. Falls der Verschluss eine Wartung benötigt, wird er auch eine bekommen. Leider habe ich aber gerade nicht so das Geld um die deutsche Feinmechanikerzunft aus Spaß an der Freude am Leben zu erhalten. Ich arbeite im Gesundheitssystem, das ja seit Jahrzehnten eher kaputtgeredet wird und in dem es ja doch erheblichen Umverteilungsbedarf gibt.
Viele Grüße, Stefan
Morte
Bei einem Großformat-Zentral-Verschluss kostet das so um die 70-80 Euro.
Ist diese Summe realistisch?
Ich habe bei meiner Rolleiflex Automat das gleiche Problem mit den hängenden langen Zeiten. Bei der Nachfrage in einer Charlottenburger Werkstatt hier in Berlin (Sybelstraße) wurde mir für die Reinigung und Neujustierung eine Summe von 200 Euro genannt. Das ist für mich, bei aller Liebe zur Rolleiflex, nicht leistbar. Andere Werkstätten, etwa die oben genannte am Ostkreuz, haben mir am Telefon die Standardantwort gegeben: "Das können wir erst im Einzelfall sehen". Nun ist mir aber das Risiko, die Kamera einzuschicken und dann erst, nach erfolgter Reparatur, eine unter Umständen nicht leistbare Summe genannt zu bekommen, ebenfalls zu hoch.
Also, falls jemand diese Reparatur (es ist ja eigentlich eher eine Reinigungs-/Pflegeleistung, kaputt ist ja nix) schon mal hat machen lassen und eine konkrete Summe bei einer konkreten Werkstatt nennen kann, wäre auch ich äußerst dankbar dafür.
Grüße, Morte
piu58
> Summe von 200 Euro
Das ist viel. Bei den heutigen Stundenlöhnen kommt man aber nicht unter 100€ - egal, was gemacht wird. Ich hatte meine Cord und meine Flex bei Paepke in Düsseldorf. Die arbeiten ordentlich; billig war das aber nicht.
Man muss bedenken, dass man nach einer Generalüberholung eine Kamera erhält, die man das gesamte künftige Fotografenleben ohne weiteren Service benutzen kann. Wenn man das mal mit dem Elektronikkram vergleicht, den man aller paar Jahre austauscht, klingt's gar nicht mehr so viel.
StefanT
"Man muss bedenken, dass man nach einer Generalüberholung eine Kamera erhält, die man das gesamte künftige Fotografenleben ohne weiteren Service benutzen kann."
Ist das so? Ich denke, nach einer Generalüberholung hat man eine Kamera bei der das Zusammenspiel der einzelnen Bauteile überprüft ist, defekte Teile ausgetauscht und das ganze gereinigt und ggfls. gefettet wurde. Nichtsdestotrotz hat man eine Kamera deren Einzelteile alt und gebraucht sind, im Falle meiner Cord "nur" etwa 40 Jahre. Vor einigen Jahren hatte ich mir eine Olympus OM-1n bei einem Händler gekauft, nach dessen Aussage generalüberholt. Trotzdem ist mir nach 2-3 Jahren der Transport kaputtgegangen. Hat "Ostkreuz" an einem Tag repariert (ich war grade auf Urlaub in Berlin), für knapp unter 100 Euro (like Uwe said). Zwei Monate später war der Beli kaputt (ja ich weiss, Elektronik). Ostkreuz hat es mir auf Kulanz gerichtet, sehr nett. Aber so die Aussage "ein Fotografenleben" wird nicht immer hinkommen.
Gruß, Stefan
piu58
> wird nicht immer hinkommen
Im Falle der Cord wahrscheinlich schon. Da kann gar nichts kaputtgehen (im Gegensatz zur wesentliche komplexeren Flex). Lediglich eben das Schmiermittel.
StefanT
Na ich hoffe mal drauf. Aus dem Grund habe ich mir halt auch 'ne Cord zugelegt und keine Flex aus den 50igern oder so.
sputnik
> wird nicht immer hinkommen
Im Falle der Cord wahrscheinlich schon. Da kann gar nichts kaputtgehen (im Gegensatz zur wesentlich komplexeren Flex). Lediglich eben das Schmiermittel.
Na Uwe. Ob man DAS so sagen kann? Ich weiß nicht. Der von Dir genannte Paepke hat mir damals, als ich anfing, mich für ein Doppelauge zu interessieren, ganz eindeutig von einer Cord abgeraten, da die Flexen NEBEN ihrer besseren Ausstattung eben auch und besonders eine mit Abstand höhere Wertigkeit aufwiesen, die die höhere Anfangsinvestition definitiv rechtfertigten.
Klar ist an einer Flex mehr dran. Aber in Anbetracht dessen, dass sich, was die Material- und Fertigungsqualität anbelangt, kaum eine andere Kamera mit der Flex vergleichen lässt (glaubt man den Reparateuren), so deutet für mich jetzt erstmal NICHTS auf eine höhere Anfälligkeit als bei der Cord hin.
Vorausgesetzt natürlich, es ist erstmal alles i.O. Ebenfalls vorausgesetzt, man angelt sich kein Exemplar, dem man schon rein äußerlich ansieht, dass es ein SEHR aufregendes Leben als Profikamera hinter sich und damit etliche Hunderttausend Auslösungen auf dem Buckel hat, die eine Cord allerdings unter Umständen gar nicht geschafft hätte.
Deshalb ist es bei mir dann ne 3,5F geworden, die mich, dem Zufall sei Dank, nicht mehr als ne durchschnittliche Cord gekostet hat (sonst hätte ich viell. HEUTE noch keine).
Auch täten MIR Wartungskosten für eine Cord eindeutig MEHR weh, als für ne Flex, weil sie im Vergleich zum Wert (auch Nutzwert!) der Kamera in einem bei weitem schlechteren Verhältnis stehen.
Kurzum: ICH würde mich jederzeit WIEDER für die Flex und gegen die Cord entscheiden und sie auch jedem empfehlen, der sein Doppelauge wirklich zum Fotografieren nutzen möchte.
Man muss bei Suchen halt Geduld haben. :-)
Oder genug Geld. :-(
PS: DIES soll bitte NICHT als Attacke gegen die Cord, sondern lediglich als Relativierung zur Aussage verstanden werden, die Cord wäre, was die Haltbarkeit und Zuverlässigkeit angeht, die bessere Wahl.
piu58
Meine Cord Vb kam knapp 200€, aber nach ner Weile hakelte der Verschluss. Da waren noch mals 130 weg.
Meine 3,5F kam etwas über 400, nach nem Jahr musste der Filmaufzug (was an der Kurbel dran ist) repariert werden. Dann habe ich später noch mal so einen Stift verloren, welcher die Filmspule hält. Der Inneneinsatz war noch da, so kam ich über den Urlaub. Aber das waren die nächsten 100.
Ich glaube nicht, dass die Innereien der Cord geringwertiger sind. Es ist eben alles einfacher, also weniger technischer Schnickschnack. Schon das Filmtastwerk der Flex ist eine Sache für sich (hat bei mir aber erst bei einem von ca. 1000 Filmen versagt).
sputnik
Meine Cord Vb kam knapp 200€, aber nach ner Weile hakelte der Verschluss. Da waren noch mals 130 weg.
Meine 3,5F kam etwas über 400, nach nem Jahr musste der Filmaufzug (was an der Kurbel dran ist) repariert werden. Dann habe ich später noch mal so einen Stift verloren, welcher die Filmspule hält. Der Inneneinsatz war noch da, so kam ich über den Urlaub. Aber das waren die nächsten 100.
Naja Uwe. Das ist 1 (in Worten "EIN") Beispiel. Daraus eine Allgemeingültigkeit abzuleiten, finde ich vielleicht etwas vermessen. Und dass der Verlust eines Stiftes (was wahrscheinlich einem von 100.000 Eignern widerfährt) modellabhängig sein soll, darf getrost bezweifelt werden, schließlich hätte der bei der Cord ebenso abfallen können.
Hätte ICH bei der Flex in Kauf genommen, dass die langen Zeiten nicht mehr 100%ig exakt laufen, hätte ich beispielsweise außer den 333€, die ich vor zwei Jahren inkl. Geli, Filtern und einem Gossen Profisix für sie bezahlt habe, bisher keinen Groschen investieren müssen.
Aber auch DAS ist eben nur EIN Beispiel und nicht repräsentativ.
Ich glaube nicht, dass die Innereien der Cord geringwertiger sind. Es ist eben alles einfacher, also weniger technischer Schnickschnack. Schon das Filmtastwerk der Flex ist eine Sache für sich (hat bei mir aber erst bei einem von ca. 1000 Filmen versagt).
ICH kann mir darüber, ob die Flexen auch qualitativ höherwertig gebaut sind, nicht wirklich eine Meinung bilden. Jedenfalls keine belastbare. Wie auch? Wenn das aber jemand wie ein Herr Paepke behauptet, der unzählige Rollei TLRs offen hatte, dann hat das für mich SCHON Gewicht. AUCH wenn mir durchaus bewusst ist, dass es bei einer aufwendigeren Mechanik naturgemäß mehr Möglichkeiten für die verschiedensten Defekte gibt. Ob und vor allem nach welcher Nutzungsdauer die dann wirklich eintreten, das ist die Frage.
Morte
Um nochmal zum Thema zurückzukommen:
Meine Rolleiflex Automat ist von 1939 und insgesamt - sowohl mechanisch als auch optisch - in einem verblüffend guten Zustand. Die Belederung z.B. sieht aus wie neu! Für mich als (mechanischen) Laien ist das eine geradezu faszinierende Leistung. (Von der heutige Geräte meist nicht einmal träumen können.)
Will sagen: Für mich ist diese Rolleiflex sowohl das Geld einer Reparatur als auch eine ausgiebige Nutzung wert, denn sie macht grandiose Bilder. Es geht also hier nicht um den moralischen, sondern den rein pekuniären Sinn einer solchen Maßnahme. Daher meine Frage nach halbwegs verbindlichen Angaben. 100 Euro sind allerdings schon mal eine andere Hausnummer als doppelt so viel.
sputnik
(es ist ja eigentlich eher eine Reinigungs-/Pflegeleistung, kaputt ist ja nix)
Um AUCH nochmal kurz auf's Thema zurückzukommen. Meines Wissens wird, so nach Rollei Richtlinien gearbeitet wird, bei jeder Wartung des Verschlusses auch immer die Hauptfeder erneuert.
So hat es mir jedenfalls Herr Kuschnik erklärt.
Ich denke mal, aus Sicherheitsgründen, und das macht ja auch Sinn, denn auf einen neu gewarteten, d.h. gereinigten, geschmierten und justierten Verschluss gibt der Reparateur schließlich Gewährleistung.
Wenn ich mich recht entsinne, entstehen da nochmal 20 (oder 30?) Euro Materialkosten.
Nur zur Info.
Ob es allerdings noch neue Hauptfedern auch für Modelle aus den 30ern gibt, entzieht sich meiner Kenntnis.