Quinquaginta
> Du wirst sofort die Unterschiede sehen
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Das bezweifle ich ja nicht und auch Henry stellt das fest. Es ist aber nicht wegen des gröberen Korns, sondern wegen des schärferen Korns. Und dieses scharfe Korn hat auch einen ästhetischen Reiz. Ein sichtbares Matschkorn ist für meine Augen ein Makel, ein sichtbares Korn wie gestreuter Sand kann die Bildaussage unterstützen (nicht bei jedem Motiv freilich).
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Korn und Rodinal wird überschätzt. Ich habe noch strategische Vorräte an APX 100, der arbeitet sehr gut mit Rodinal zusammen. Das Korn ist nicht aufdringlich. Auch die Kentmere-Filme vertragen diesen Entwickler gut. Es mag Kombinationen geben, die weniger harmonieren.
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Moin Uwe,
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nein, es ist wirklich wegen des etwas
gröberen Korns. Das lässt sich beispielsweise auch messtechnisch sehr klar in den Auflösungstests erfassen, bei denen Rodinal die feinsten Strukturen nicht mehr auflösen kann aufgrund des gröberen Korns.
Was den ästhetischen Reiz des schärferen Korneindrucks anbelangt, stimme ich Dir voll zu. Das schrieb ich ja aber bereits auch oben. Der subjektiv sehr gute Schärfeeindruck von Rodinal / Adonal bei kleineren und mittleren Vergrößerungsmaßstäben macht auch den Charme aus.
Aber natürlich muss das jeder für sich selbst entscheiden, ob er das Korn lieber etwas schärfer (Adonal, FX-39, ADX-II, HRX, Neofin Blau etc.) oder etwas weicher (Atomal, XTOL Stamm, DD-X etc.) haben möchte. Da sind die Vorlieben ja auch individuell verschieden.
Und es hängt ja auch vom Motiv und gewünschten Ergebnis ab: Für manches Motiv mag ein scharfes Korn, für andere Motive ein weicheres Korn geeigneter sein.
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Auch mit der Kombination APX 100 (das Original) und Rodinal / Adonal stimme ich Dir zu. Passt gut, ich habe auch noch ein paar APX 100 120 im Kühler.....;-).
Das liegt aber auch daran, dass der original APX unter den Filmen mit klassisch kubischer Kristallstruktur der feinkörnigste war.
Nun, wer diese Kombi weiterverwenden möchte, greift im KB jetzt halt zum Silvermax: Spektrale Sensibilisierung, Korn, Schärfe und Auflösung sind praktisch identisch. Und durch den klaren Träger des Silvermax ist dieser noch vielseitiger, da auch prima zum SW-Dia entwickelbar.
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BG,
Henning
Neutrino
Hallo Quinguaginta,
danke nochmal für deine Ausführungen.
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Der FX 39 klingt jetzt wirklich sehr interessant für mich. Bisschen stutzig macht mich allerdings die Ansage von Adox und auch im Datenblatt von Paterson ist zu lesen, dass man eher nur Filme bis ISO 100 bzw. 200 mit diesem Entwickler verwenden sollte. Wird der selbst bei Flachkristallern wie der T-MAX 400 dann schon so extrem körnig? Nachdem du sowohl Rodinal als auch den FX 39 kennst wie sieht es da im Verhältnis aus?
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Ansonsten verstehe ich den Entwickler so: Bei geringer Verdünnung (1+9) bekommt man etwa eine halbe Blende mehr Empfindlichkeit, dafür einen normalen Kontrast. Bei starker Verdünnung (1+19) erhält man "nur" Nennempfindlichkeit dafür aber ein sehr ausgewogenes Negativ. Richtig?
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Ein Nachteil für mich wäre, dass es zumindest werksseitig keine Entwicklungszeitentabelle gibt, oder steht dann da noch etwas auf der Flasche? Ich weiß, jeder sollte seine Filme eintesten, aber für den Anfang und gerade dann wenn man noch kein absoluter Entwicklungsprofi ist, wären vorgegebene Zeiten schon hilfreich. Im alten Datenblatt von Paterson gibt es ein paar Angaben. Bei den T-Maxen sind aber glaube ich noch die alten angegeben und einige neuere Filme wie der CHSII sind logischerweise noch gar nicht auf der Liste. Auf digitaltruth gibt's natürlich was, aber wie sehr ist dem dort zu trauen?
Neutrino
Gerade gesehen, dass auf
http://www.fotoimport.no/filmtest/filmtmax.html auch der FX 39 getestet wurde. Im Gegensatz zu Rodinal ist der FX 39 doch noch ein ganzes Stück feinkörniger. Ich weiß zwar nicht wie sich Rodinal in stärkeren Verdünnungen und bei niedrigeren Temperaturen verhält, aber zumindest bei 1+24 bei 20 Grad, wie in diesen Tests, ist der Unterschied deutlich zu sehen. Sehr gut zu erkennen ist auch, dass (wie Quinquaginta schon beschrieben hat) Rodinal tatsächlich wesentlich geringer auflöst als andere Entwickler, dafür allerdings einen besseren Schärfeeindruck erzeugt. Besonders deutlich finde ich ist es zu sehen wenn man Rodinal mit Atomal vergleicht. Atomal kommt wesentlich unschärfer rüber, löst aber um einiges mehr auf.
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Der FX 39 wird immer mehr zum Favoriten.
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Wolf_XL
... ich verwende den Promicrol ganz gerne - das ist ein recht unauffälliger Geselle, der mit den meisten Filmen sehr gut zurechtkommt. Was mir an dem gefällt, ist, dass er ziemlich die Nennempfindlichkeit ausnutzt und mit relativ kurzen Entwicklungszeiten klar kommt.
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Zum Thema TMax 400 - da nehm' ich am liebsten den Kodak TMax-Entwickler. Der ist einerseits lange haltbar und dazu noch sehr ergiebig. Ich hab' sowieso die Erfahrung gemacht, dass Kodak-Filme am liebsten in Kodak-Suppen getunkt werden... Auch andere Filme gehen damit ganz gut...
Renate
Hallo,
die Feinkörnigkeit des T-Max 400 wird leider immer wieder legendenhaft überschätzt. Ich habe mir verschiedene Filme bei 1000-facher Vergrößerung unter einem hochauflösenden Lichtmikroskop angesehen. Das Korn des T-Max 400 in HC 110 ist wesentlich gröber, als das Korn vom Adox 100 Efke in Neofin Blau. Er mag unter den 400er der Beste sein, aber einen 100er erreicht er nie.
Wenn man sich die Kornstruktur des T-Max 400 unter dem Rasterelektronenmikroskop ansieht, stellt man fest, dass sich neben den Flachkristallen auch viele konventionelle Kristalle bilden. Bei dem HP5 sieht man umgekehrt neben den konventionellen Kristallen auch etliche Flachkristalle. Werbung und Wirklichkeit liegen beim T-Max 400 weit auseinander.
Die klassischen Emulsionen bestehen im Übrigen nicht aus kubischen Kristallen. Die Kristallformen sind sehr unregelmäßig und auch die Größe variiert sehr stark. Kubische Kristalle sind eher selten.
Das alles ist kein Nachteil, sondern eine Notwendigkeit, denn das unregelmäßige Korn ist für den Grauwertreichtum notwendig. Für mich ist der T-Max 400 ein erstklassiger Film, allerdings nicht wegen seiner Parameter, sondern wegen seiner Bildergebnisse. Da ich ihn als 4x5 inch Planfilm nutze, interessiert mich die Körnigkeit nicht.
Der Einfluss der Entwickler auf die Körnigkeit der Negative ist sehr begrenzt.
Viele Grüße
Renate
Wolfgg
Renate: da meinst aber ein anderes "Korn" als die Kollegen oben. Bei 1000facher Vergrößerung sieht man die einzelnen Silberkristalle. Deren Größe hat nichts zu tun mit dem, was auf dem Papier zu sehen ist. Nach meiner Messung einst haben diese (geschützt bei 1000facher Vergrößerung, Stand von 1995):
TP2415: 0,8um (Neofin Doku)
Agfaortho: 1um (Neofin Doku)
APX25: 1um (Rodinal 1+75)
APX100: 1,3um ( " )
PanF Plus: 1,5um ( " )
Tmax400: 1,7um ( " )
Diese Kristalle sind so klein, dass sie kein Vergrößerungsobjektiv auflösen und aufs Papier bringen kann. Nur zur Erinnerung: Auflösung (Lp/mm) = 1200/Blendenzahl. Mit Blende 1 wäre vielleicht was drin.
Wenn Fotografen von Korn reden, dann meinen sie in Wirklichkeit immer die auf der Vergrößerung vor allem in homogenen Flächen sichtbare Dichteschwankung, die wird aber durch ungleiche Verteilung vieler Bildsilberkristalle verursacht, nicht durch einzelne Silberkristalle. Wenn man ein solches "Fotografenkorn" auf dem Negativ unter dem Mikroskop anschaut, dann erkennt man, dass es aus z.B. 50 einzelnen Silberkristallen besteht, die sich dummerweise etwas zusammengerottet haben, entweder bereits herstellerseitig oder erst in der Nassphase. Entwickler mit hohem pH-Wert wie z.B. Rodinal in geringer Verdünnung wie 1+25 scheinen diese Kornzusammenrottungen zu begünstigen, zumindest bei einigen Filmen. Nimmt man aber den Rodinal in 1+160 oder gar 1+200 in Standentwicklung, gibt es beim gleichen Filmtyp deutlich glattere Flächen und Kanten wie gestanzt.
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Deutliche Verbesserung der homogenen Flächen bringen die stainenden Entwickler auf der Basis von Brenzcatechin oder Pyrogallol ( Pyrocat, PMK usw.).
Gruß Wolfgang
Renate
Hallo Wolfgang,
das was du meinst wird in der anglikanischen Literatur als "granularity" (Körnigkeit) bezeichnet. Die deutsche Literatur zu dem Thema ist selten, aber da wird das Wort "Körnung" benutzt. Die Definition der Körnung als "Fotografenkorn" oder einfach nur als Korn zu bezeichnen ist falsch. Auch Kodak benutzt das Wort "granularity" und nicht das Wort "grain" (Korn).
Die Körner rotten sich auch nicht "dummerweise" zusammen, sondern Gott sei Dank. Denn nur dadurch bekommen wir vergrößerbare Negative. Das Korn ist der Schlüssel zu Fotografie mit Filmen, nicht der Feind. Wir sollten lernen, es kreativ zu nutzen.
Viele Grüße
Renate
Wolfgg
Hallo Renate,
das Wort "Fotografenkorn" ist eine Eigenschöpfung von mir und soll auf das weitverbreitete Missverständnis hinweisen, dass Neulinge die in der Vergrößerung sichtbare Körnung gerne für einzelne Silberkristalle im Film halten. Sozusagen als Abgrenzung, was der Fotograf auf der Vergrößerung sieht und dem, was Mikroskopbesitzer so ab V=200 sehen (ein REM hätte ich zwar auch gern, aber 750kg sind mir doch etwas zu schwer). Da kann man sehen, dass es sich immer um "Cluster" von Silberkristallen handelt, was auf der Vergrößerung als störende Körnigkeit sichtbar wird, jedes einzelne angebliche "Korn" auf der Vergrößerung entspricht im Film einem Cluster aus vielen Silberkristallen.
Die Gelatine ist ja leider keine ideale, welche die Kristalle exakt an ihrem Platz halten würde. In der Nassphase (also nicht bei der Herstellung, sondern ab Entwicklung bis Schlusswässerung) wird in der gequollenen Gelatine immer eine gewisse Kristallwanderung eintreten und, nach meiner Erinnerung kam das einst von Kodak, abhängig vom verwendeten Entwickler Clusterneigung bestehen ("zusammenrotten"), was nach der Belichtung natürlich stört, denn das kostet Schärfe und verstärkt die Körnigkeit der Vergrößerung. Beim leider längst vergangenen TP2415 war diese Eigenschaft am extremsten optimiert. Es kam mir vor, als hätte Kodak eine Gelatine entwickelt, welche die Kristalle in der Nassphase regelrecht festnagelte, also keine nennenswerte Wanderung zuließ und so die wie gestanzt wirkende Schärfe erzielte. Oder gibt es sonst noch eine Erklärung für diese Meisterleistung? Schichtdicke allein kann es nicht gewesen sein, da lagen andere auch nahe dran.
Gruß Wolfgang
Neutrino
Nochmal Danke an alle für die Hinweise und Tipps!
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Ich denke für den Fotografen ist der einzelne Silberbromidkristall ziemlich unbedeutend. Natürlich ist es immer auch interessant zu wissen was im Hintergrund so alles abläuft und wie es sich tatsächlich verhält, aber für die fotografische Praxis ist eben nur die Körnigkeit von direkter Bedeutung. Die Tatsache, dass sich im fotografischen Sprachgebrauch die Wörter "Korn" und "Körnigkeit" als fälschliches Synonym eingebürgert haben, finde ich nicht schlimm. Man weiß was gemeint ist und das ist wichtig. Man muss ja kein Chemiker sein um die analoge Fotografie erfolgreich zu betreiben. Eigentlich muss man nicht mal wirklich eine Ahnung von den ganzen Vorgängen haben, wobei natürlich zusätzliches Wissen niemals schaden kann und auch ich interessiere mich dann doch oft sehr für die Hintergründe. Deswegen auch gleich eine Frage an dich Renate:
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Du sagst, dass das Korn (Grain) eines T-MAX 400 auf jeden Fall größer ist als das eines noch so grobkörnigen 100er Films. Aus welchen Grund ist aber dann die Körnigkeit (Granularity) des T-MAX 400 um einiges feiner als die eines sagen wir mal Efke 100? Ich habe den Efke 100 selbst einmal ausprobiert und die Körnigkeit ist um ein vielfaches stärker, die Auflösung um ein vielfaches schwächer als beim T-MAX 400.
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Zurück noch kurz zum ursprünglichen Thema. Bevor ich den FX 39 nun fix in meiner nächsten Bestellung einplane, hätte ich noch ein paar Fragen. Mag jetzt sein, dass sich ein paar denken "Ach der kostet nicht viel, probier den doch jetzt einfach aus!". Stimmt schon, nur nachdem ich zur Zeit leider nicht so viel zum Fotografieren komme, möchte ich etwas haben mit dem ich auch gleich gut zurecht komme, ohne viel Herumtesterei und Vergleiche mit anderen Entwicklern. Wirklich wissen ob er mir gefällt tu ich natürlich erst wenn ich ihn ausprobiert habe, aber man kann zumindest die Wahrscheinlichkeit erhöhen. Außerdem einen halben Liter fast ungebraucht dann wieder zu entsorgen ist dann doch etwas schade.
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Von den Eigenschaften des Entwicklers habt ihr mich, denke ich, überzeugt. Auch was ich sonst so darüber im Internet gelesen habe, lässt mich sehr positiv stimmen. Wenn mir der FX 39 dann doch etwas zu sehr körnt, kann ich ihn zumindest als guten Entwickler fürs Mittelformat einsetzen. Das einzige was mich jetzt noch abhält bedingungslos zuzugreifen ist ein fehlendes gutes Entwicklungsdatenblatt. Wie schon weiter oben erwähnt, komme ich leider derzeit nicht so oft zum Fotografieren und ein langwieriges Eintesten möchte ich mir da eigentlich ersparen. Abgesehen davon bin ich jetzt auch noch nicht so der Profi und daher fehlt mir da noch etwas die Erfahrung, dass ich ein Negativ ausreichend bewerten kann um so die Entwicklungszeit und Belichtung abzustimmen. Adox gibt leider überhaupt keine Zeiten an und verweist auf digitaltruth. Dort stehen teilweise aber dann recht unterschiedliche Angaben. Im alten Datenblatt von Paterson findet man zumindest einige Zeiten. Neuere Filme fehlen aber logischerweise und beim T-MAX 400 ist denke ich noch der alte gemeint. Hilft da wirklich nur austesten oder gibt es noch irgendwo gute Quellen für Entwicklungszeiten? Sagen wir mal ähnlich wie digitaltruth. Weiters verwirrt mich, dass Adox bei einer Verdünnung von 1+19 eine Entwicklungszeitenverlängerung von 75% angibt. Im alten Patersonblatt steht man soll um 100% verlängern. Na was denn nun?
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Noch eine Frage zu meinem Verständnis. Der FX 39 erhöht laut Adox und Paterson die Empfindlichkeit um etwa eine halbe Blendenstufe bei 1+9. Ich könnte also einen 400er Film (nehmen wir an, dass er die aufgedruckten ISO 400 tatsächlich hat) auf 600 belichten und hätte trotzdem noch eine ausgezeichnete Schattenzeichnung? Wenn man die Entwicklungszeit verlängert und den Film pusht kann man bis zu einer Blende mehr herausholen? Ich hätte vermutlich dann einen verstärkten Kontrast könnte aber bei einem 400er auf 800 belichten und immer noch eine sehr gute Schattenzeichnung? Wenn ich die Verdünnung 1+14 oder 1+19 nehme erreicht ein 400er Film zwar nur mehr 400, dafür kann ich aber große Kontraste bewältigen. Habe ich das alles so einigermaßen verstanden?
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AntiLynd
Zumindest der Theorie (und den Marketing-Schlagworten) nach gibt FX39 eine echte Empfindlichkeitssteigerung, was man, wenn man es genau nimmt, vom sog. pushen unterscheiden sollte. Gemeint ist, dass die Schattenpartien dichter werden, ohne dass sich der Gesamtkontrast erhöht. Ich habe für den Plus-X einige Tests mit dem FX39 gemacht, verschiedene Zeiten und Verdünnungen, und hatte am Ende – erwartungsgemäß – nicht den Eindruck, dass man ihn höher als Nennempfindlichkeit einstufen sollte, wenn die Lichter nicht gleichzeitig zu dicht werden sollen. Muss aber letztlich jede/r selber wissen. Ich strebe immer das dünnstmögliche Negativ an, das gerade noch ausreichende Schattenzeichnung hat. Gar nicht gefallen hat mir übrigens die 1+19.
Dessen ungeachtet aber ein schöner Entwickler, zumindest im mittelempfindlichen Bereich. Für 400 und mehr müsste man halt schauen. Bin gespannt, was du rausfindest.
TiMo
Hallo Neutrino,
ich belichte je nach Film max. auf Nennempfindlichkeit. Meist aber eher darunter.
Die Zeitentabelle von Paterson hast du?
http://www.patersonphotographic.com/FX-39.doc
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Damit fährt man am Anfang recht gut und muss dann halt nach und nach anpassen.
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Timgruss
piu58
Es gibt keine Wunderentwickler. Was man tun kann, ist, Phenidon-basierte Entwickler zu benutzen. Gegenüber Metol-basierten gewinnt man ca. 1/3 Blende an wirklicher Schattenzeichnung.
Dann existieren noch die Entwickler mit Inhibitionsystem aus dem Hause SPUR. Man kann damit manche Filme extrem überentwickeln, ohne dass die Lichter zu dicht werden. Der Schleier steigt damit kräftig an, was den Kontrastumfang etwas reduziert. Die Angaben des Herstellers werden nicht erreicht, aber ca. eine ganze Blende echter Empfindlichkeitsgewinn ist drin. Das ist eine ganze Menge und anders nicht zu erreichen.
Quinquaginta
Hallo,
die Feinkörnigkeit des T-Max 400 wird leider immer wieder legendenhaft überschätzt. Ich habe mir verschiedene Filme bei 1000-facher Vergrößerung unter einem hochauflösenden Lichtmikroskop angesehen. Das Korn des T-Max 400 in HC 110 ist wesentlich gröber, als das Korn vom Adox 100 Efke in Neofin Blau. Er mag unter den 400er der Beste sein, aber einen 100er erreicht er nie.
Hallo Renate,
es mag ja vielleicht in diesem Fall sein, dass bei der Kombination TMY-2 mit HC-110 (ein grobkörniger arbeitender Entwickler) der 100er Efke in Neofin Blau feiner kommt.
Aber daraus eine allgemeingültige Aussage abzuleiten, dass der TMY-2 nie, egal mit welchem Entwickler, das Niveau eines konventionellen 100ers erreichen kann, das geht nicht.
Aufgrund meiner Testergebnisse muss ich dem auch klar widersprechen. Ich habe in den letzten Jahren fast alle Filme des Marktes systematisch in standardisierten Verfahren getestet. Ich habe hier mittlerweile ein Archiv mit mehr als 10.000 Aufnahmen zu der Thematik.
Und bei den SW-Negativfilmen habe ich auch Tests mit unterschiedlichen Entwicklern gemacht.
Ich habe zu Vergleichszwecken auf Papier vergrößert, projiziert, und mit dem Mikroskop Vergleiche bei 40x und 100x Vergrößerung gemacht.
Hier mal einige Auflösungswerte im Vergleich (Objektkontrast 1:4):
Adox CHS 100: 80 – 90 Lp/mm
Adox CHS 100 II: 100 – 110 Lp/mm
Fomapan 100: 75 – 90 Lp/mm
Ilford FP4+: 75 – 90 Lp/mm
Ilford Delta 100: 130 – 140 Lp/mm
Kodak Plus-X: 80 – 100 Lp/mm
Kodak T-Max 100: 135 – 150 Lp/mm
Fuji Acros 100: 115 – 130 Lp/mm
Agfa APX 100: 100 – 115 Lp/mm
Adox Silvermax: 105 – 115 Lp/mm
Ilford Delta 400: 75 – 85 Lp/mm
Ilford HP5+: 60 – 75 Lp/mm
Ilford XP2 Super: 80 – 90 Lp/mm
Kodak Tri-X: 65 – 75 Lp/mm
Kodak T-Max 400 (TMY-2): 90 – 105 Lp/mm
Kodak BW 400 CN: 100 – 115 Lp/mm
Bergger BRF 400 Plus / Orwo N74 Plus: 65 – 75 Lp/mm
Fuji Neopan 400: 70 – 80 Lp/mm
Und in der Körnigkeit liegt der TMY-2 beispielsweise leicht besser als ein Fomapan 100, Kentmere 100, RPX 100. Das war mein Ergebnis mit HRX.
An einen Silvermax, TMX, Acros oder Delta 100 kommt er natürlich nicht ran.
"Die klassischen Emulsionen bestehen im Übrigen nicht aus kubischen Kristallen. Die Kristallformen sind sehr unregelmäßig und auch die Größe variiert sehr stark. Kubische Kristalle sind eher selten."
Der Begriff hat sich eben in der Fotografen-Umgangssprache über die letzten fast 30 Jahre eingebürgert, um die älteren Emulsionstypen von den neueren CCG (Controlled Crystal Growth) Typen zu unterscheiden.
Dass die Kristallformen aus physikalischer Sicht sehr viel differenzierter zu betrachten sind, ist völlig klar.
Für den Fotografen spielt das in der Praxis aber keine Rolle.
BG,
Henning
Renate
Hallo,
der Begriff "kubische Kristalle" ist klar definiert. Das kann man in Fachbüchern nachlesen. Das Problem ist wohl eher, dass viele Fachbegriffe von Einigen falsch verstanden werden und dann persönlich umdefiniert werden. Kodak benutzt die Begriffe in Veröffentlichungen immer präzise und eindeutig. Wenn man Slang benutzt, sollte man immer daran denken, dass die Bedeutung nicht allgemeingültig ist.
Es gibt auch Emulsionen, die tatsächlich aus kubischen Kristallen bestehen. Die haben aber Eigenschaften, die für die künstlerische Fotografie nicht so geeignet sind. Daher ist es schon wichtig, die Kristallformen genau zu unterscheiden.
Es findet in der gequollenen Emulsion auch keine Kristallwanderung statt. Die Silberhalogenidkristalle und die entwickelten Körner bleiben immer an dem Ort, an dem sie belichtet wurden. Die Zusammenballungen von Körnern entstehen durch die infektiöse Entwicklung. An der Stelle, an der ein belichteter Kristall entwickelt wird, wird durch Oxidationsprodukte die Entwicklung weiterer unbelichteter Kristalle induziert. Dieser Vorgang wird durch Substanzen im Entwickler mehr oder weniger gebremst. Das entwickelte Korn wird also immer größer, als ein einzelner Silberhalogenidkristall. Diese Verstärkung ist notwendig, damit das Negativ überhaupt vergrößerbar ist.
Wenn ich zu einem 400 ASA Film greife, will ich 400 ASA haben. Wenn ich feineres Korn brauche, nehme ich keine 400 ASA sondern eine Feinkornemulsion. Es gibt doch alles. Ich muss nicht einen 400 ASA Film verbiegen, um damit dann eine hohe Auflösung zu erzielen. Das Ergebnis wäre dann meist ein schlecht zu vergrößerndes Negativ und ausdruckslose Grautöne.
Den T-Max 400 entwickel ich in HC 110, weil ich damit optimale Grautöne erhalte und weil ich sehr einfach die Schwärzungskurve beeinflussen kann. Die Betrachter meiner Bilder schauen sich die Grautöne an und nicht das Korn. In meinen Bildern geht es um Emotionen und nicht um Auflösung.
Langwierige und ausführliche Tests fallen bei mir unter dem Stichwort "Prokrastination". Ich nehme die Dinge lieber so, wie sie sind und arbeite damit kreativ. Das Testen überlasse ich den Herstellern.
Viele Grüße
Renate
Quinquaginta
Hallo Renate,
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"Wenn ich zu einem 400 ASA Film greife, will ich 400 ASA haben. Wenn ich feineres Korn brauche, nehme ich keine 400 ASA sondern eine Feinkornemulsion. Es gibt doch alles."
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nun, es gibt aber eben oft Aufnahmesituationen, wo höhere Empfindlichkeiten erforderlich sind. Man als Fotograf aber trotzdem gern ein detailreiches Bild haben möchte, dass sich auch gut vergrößern lässt. Und da ist man dann froh, Filme wie beispielsweise den TMY-2, BW 400 CN, Provia 400X, Fuji Pro 400H oder Portra 400 zu haben, die einem genau das problemlos ermöglichen.
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"Ich muss nicht einen 400 ASA Film verbiegen, um damit dann eine hohe Auflösung zu erzielen. Das Ergebnis wäre dann meist ein schlecht zu vergrößerndes Negativ und ausdruckslose Grautöne."
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Man muss den TMY-2 überhaupt nicht verbiegen, um mit ihm eine etwas höhere Auflösung als mit einem FP4+, Fomapan 100, Kentmere 100 oder RPX 100 zu bekommen. Einfach in D-76, ID-11, XTOL, HRX, CG512/RLS, ADX-II, FX-39 o.ä. entwickeln, fertig. Und dann erhält man auch wunderbar zu vergrößernde Negative mit einwandfreier Grauwertwiedergabe.
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"Den T-Max 400 entwickel ich in HC 110, weil ich damit optimale Grautöne erhalte und weil ich sehr einfach die Schwärzungskurve beeinflussen kann. Die Betrachter meiner Bilder schauen sich die Grautöne an und nicht das Korn. "
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Klar. Nach eigener Aussage verwendest Du den TMY-2 ja auch in 4x5". Da spielt Korn ja auch keine Rolle mehr.
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"In meinen Bildern geht es um Emotionen und nicht um Auflösung."
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Das dürfte bei der überwiegenden Mehrheit der Fotografen der Fall sein. Und beides ist schließlich überhaupt kein Widerspruch. Ein gut gemachtes Bild verliert ja nicht an emotionaler Qualität, nur weil es eine gute Detailwiedergabe hat. Oder weil es sich auch größer vergrößern lässt und so auch sehr gut in einer Ausstellung gezeigt werden kann.
Wenn eine gute Detailwiedergabe der emotionalen Qualität eines Bildes entgegenstehen würde, müssten wir uns ja schleunigst vom Mittel- und Großformat sowie all den Filmen mit sehr guter Detailwiedergabe verabschieden.....;-)).
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"Langwierige und ausführliche Tests fallen bei mir unter dem Stichwort "Prokrastination". Ich nehme die Dinge lieber so, wie sie sind und arbeite damit kreativ."
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Diese Einstellung ist Dein gutes Recht, überhaupt nichts gegen zu sagen. Nur solltest Du dann mit solchen Pauschalaussagen wie "der TMY-2 erreicht nie die Feinkörnigkeit eines 100ers", die aufgrund eben dieser Haltung ja nicht auf eigenen Erfahrungen und Testergebnissen beruhen, sehr vorsichtig sein.
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"Das Testen überlasse ich den Herstellern."
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Leider gab bzw. gibt es im Markt auch schwarze Schafe, die selbst gar keine belastbaren Tests durchgeführt haben, sondern deren Veröffentlichungen sich rein an verkaufstechnischen Gesichtpunkten orientiert haben bzw. orientieren.
Und für die unkritische Kunden eine willkommene Zielgruppe darstellen.
Dann gibt es bei den etablierten Herstellern welche, die sehr "selbstbewusst" ;-) mit ihren Angaben sind, und andere, die z.T. sehr konservativ agieren und deren Produkte sogar bessere Leistungen bieten als nach offiziellen Angaben zu erwarten wäre.
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Ich habe deswegen immer zunächst eine gesunde Skepsis gegenüber Herstellerangaben. Und dann teste ich halt selbst und schaue, was stimmt und was nicht.
Und wo es eventuell sogar positive Überraschungen gibt (auch oft erlebt).
Und weiß dann auch, wo die Stärken, und wo die Schwächen des Produkts liegen. Und dieses Wissen kann ich dann ganz gezielt kreativ für meine Bildideen einsetzen.
Oder mir auch Aufwand sparen, weil ich weiß, dass ich ein gewünschtes Ziel leichter erreichen kann mit einem Produkt, das genau in diesem Bereich glänzt.
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BG,
Henning
Neutrino
Der FX 39 kommt jetzt mal fix auf die nächste Bestellliste! Ich probier den jetzt einfach aus. Danke an alle, die mich bei meiner Entscheidungsfindung unterstützt haben! Trotzdem gibt es noch ein paar Fragen: :p
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AntiLynd, was genau hat dir denn bei der Verdünnung von 1 + 19 nicht gefallen?
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TiMo, ja danke, die Tabelle kenne ich. Die Zeit vom T-MAX 400 ist aber noch auf den alten T-MAX bezogen oder? Diese kann man ja nicht einfach übernehmen? Digitaltruth meint 10min bei Kleinbild und 13min bei Mittelformat. Kann das stimmen? Wieso gibt es für 135 und 120 überhaupt unterschiedliche Zeiten? Ist doch der gleiche Film?! Da ich sehr viel mit dem T-MAX 400 fotografiere, besonders jetzt wo man kaum Licht hat, würde mich daher vor allem bei diesem Film eine sinnvolle Zeit interessieren. Hat jemand eine Empfehlung?
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Bei Rodinal, zumindest so wie ich das verstanden habe, nimmt die Körnigkeit bei höherer Verdünnung und kälterer Entwicklung ab. Verhält sich das beim FX 39 genauso? Beim X-TOL und anderen Feinkornentwicklern verhält es sich ja umgekehrt: Höhere Verdünnung -> gröbere Körnigkeit.
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Renate und Henning, auch wenn es standardisierte Testverfahren gibt, vertraue ich den Filmherstellern bezüglich ihrer Angaben was die Auflösung und die Körnigkeit betrifft weniger als einer neutralen Person, die mit sicher viel Liebe zum Detail an die Sache herangegangen ist und sich die Mühe gemacht hat die einzelnen Filme zu testen. So ein Vergleich ist schon sehr interessant!
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Renate
Die Messprozeduren, die die Fotoindustrie benutzt, sind standardisiert, veröffentlicht und nachvollziehbar. Die Ergebnisse sind also bei Firmen, die sich an den Standard halten, vergleichbar. Die Messungen von Amateuren, die mit "viel Liebe zu Detail" darangehen, halten sich nicht immer an den Standard und sind daher oft nicht vergleichbar und nicht nachvollziehbar. Auf diese Weise entstehen Mythen und Wunschdenken, aber leider keine objektiven Ergebnisse. Die Tabelle von Henning ist nicht nachvollziehbar und daher ohne Aussagekraft. Kodak hat seine Messprozeduren und viele Forschungsergebnisse sowie Herstellungsdetails beschrieben und veröffentlicht. Die Ergebnisse sind objektiv und nachvollziehbar.
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Für die Körnigkeit gibt es eine Messvorschrift, die anders ist, als die Messung des Auflösungsvermögens. Daher ist es nicht möglich, vom Auflösungsvermögen auf die Körnigkeit zu schließen.
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Die Körnigkeit wird wiederum auch anders gemessen, als die Korngröße. Das, was ich betrachtet hatte, ist nur die Größe von vereinzelten Körnern nach dem Entwickeln und diese Körner sind durch die infektiöse Entwicklung natürlich größer, als ein einzelnes Korn wäre, das aus einem einzelnen Silberhalogenidkristall entstehen würde.
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Feinkörnige Entwickler haben immer eine gebremste Aktivität, die ich durch stärkere Belichtung ausgleichen muss. Von den 400 ASA des T-Max 400 bleibt dann nicht mehr viel übrig. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Schwärzungskurve verbogen wird. Das ergibt dann zusätzlich unschöne Grauabstufungen. Also greife ich lieber zu einer Emulsion, die von Haus aus feinkörniger ist und die ich so entwickel, dass ich optimale Graustufen bekomme.
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Mich wundert es immer wieder, dass in den Foren seitenweise um Auflösungsvermögen und Körnigkeit diskutiert wird, aber die Schwärzungskurve völlig außer Acht gelassen wird. Dabei lebt ein SW-Bild von den Graustabstufungen und vom Kontrast. Ich finde es viel wichtiger, dahin gehend die Filme und die Entwickler zu optimieren. Wenn ich mir die Zeit für Tests nehme, dann sind das die Schwärzungskurven.
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Der HC-110 ist kein Schärfewunder und er ist auch nicht schonend zum Korn. Dafür bekomme ich immer Schwärzungskurven, die ideal oder fast ideal sind. Eine Kontrastanpassung ist leicht durchzuführen. Die Ausarbeitung solcher Negative ist einfach und macht Spaß.
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Viele Grüße
Renate
AntiLynd
was genau hat dir denn bei der Verdünnung von 1 + 19 nicht gefallen?
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mir machten die Negative von der Tonalität her einen recht undifferenzierten, flachen, stumpfen Eindruck. Das deckt sich natürlich mit den Erwartungen, denn FX39 hat ja bereits bei der 1+9 die Tendenz, in den Lichtern vergleichsweise schnell zu erschöpfen -- macht die 1+19 aber doch eher ungeeignet für normale Situationen. Merken kann man sie sich aber sicher für Lebenslagen mit wenig Licht und hohem Kontrast, wo man einen stärkeren Ausgleich braucht.
Viele Grüße und gutes Gelingen
Nils